Eine kleine Anfrage von Ulla Jelpke (MdB, DIE LINKE) nach der Gefährlichkeit der VFP für die freiheitlich-demokratische Grundordnung wurde von der Bundesregierung mit dem fragwürdigen Hinweis beantwortet, wir seien „eine Satire von Redakteuren der Zeitschrift TITANIC.“ Seriöse Regierungsarbeit sieht – im Umgang mit beiden Parteien – anders aus. Mit PRAGER FRÜHLING bzw. TITANIC verfügen sowohl DIE LINKE als auch Die PARTEI über ein lustiges Zentralorgan, und beide Parteien sind so konsequent gegen Rüstungsexporte und kriegsähnlichen Krieg, daß die Grünen blaß werden.
Über Verstaatlichungen können wir reden (seit Opel), und die Einführung von Bürgergeld ist eine alte PARTEI-Idee („800 Euro plus Miete!“). Unsere Forderung aus den letzten Hamburger Bürgerschaftswahlen, Manager-Gehälter auf das 25.000-fache eines einfachen Arbeiterlohns zu begrenzen, wird Ihren Beifall finden. Der Punkt „gleichgeschlechtliche Lebensweisen“ war dort sogar unser wichtigstes Wahlkampf-Thema. Ich erinnere nur an unser Plakat „CDU-Wähler aufgepaßt: Ole von Beust ist schwul!“, mit einem lustig lachenden Ole. Und an die überarbeitete 2.0-Version, die wir der Presse präsentierten, nachdem der CDU-Geschäftsführer Jaecke erklärt hatte, das habe mit Satire nichts mehr zu tun und sei „Schmutz total“: „Schwule Wähler aufgepaßt: Ole von Beust ist in der CDU!“
Unsere Forderung, die Mauer wieder aufzubauen, damit das Merkel wieder dahinter weggeschlossen werden kann, ist eine rein populistische Forderung, die uns im Westen viele Sympathien bringt. Zumal wenn ich an die wirtschaftlich glücklichen Jahrzehnte erinnere, in denen Merkel hinter der Mauer weggeschlossen war. Aber das muß ebenso wenig zwischen uns stehen wie unsere Forderung nach dem Wiederabriß der Dresdner Frauenkirche: Ich habe mehrfach öffentlich mein Ehrenwort gegeben, dass mit uns an der neuen Mauer kein Schießbefehl zu machen sein wird.
Natürlich ist die Linke hierzulande, wie fast überall, tendenziell intelligenter und humanistischer als die Konservativen. Aber mit ihrer traditionell wenig ausgeprägten Fähigkeit zur Konsensbildung und ihrem überdurchschnittlich hohen Irrenanteil ist sie kaum in der Lage, politische Mehrheiten zu erzielen. Aus diesem Grund tut jetzt langsam mal ein ordentlicher, moderner Turbo-Crossover Not – unter der straffen Führung der PARTEI.
Autoreninfo
Martin Sonneborn war bis 2005 Chefredakteur des Satiremagazins TITANIC und ist inzwischen Vorsitzender der PARTEI. Bei diesem Beitrag handelt es sich um die verkürzte Wiedergabe einer politischen Brandrede, die er als Bundesvorsitzende der PARTEI am 25. Mai beim Rasieren vor seinem Badezimmerspiegel hielt.