Prager Frühling, Magazin für Freiheit und Sozialismus (www.prager-fruehling-magazin.de)

Edle Retter

Blinde Flecken der Diskussion über das skandinavische Modell der Regulierung von Sexarbeit

Stefan Gerbing

„Als der Kampf gegen Menschenhandel in der Region Stockholm […] begann, hatten PolizistInnen, SozialarbeiterInnen und StaatsanwältInnen […] die Vorstellung, dass ihre Bemühungen Menschen retten würde, dass die Polizei für Opfer zu den Waffen gegriffen habe, deren Lebensbedingungen die Hölle sind. Für dieses Bemühen erwarteten die HeldInnen eine Dankbarkeit und Zuneigung von den Geretteten. Das Paradoxe ist, dass die Beamten oft die genau gegenteilige Reaktion zu hören bekamen. Wie erklärt man jemanden, dass er/sie ein Opfer ist, dass er/sie dies nicht so sieht? Wie hilft man jemandem, der sich nicht helfen lassen will? […] Beamte, trotz guter Absichten, werden als jemand wahrgenommen, der Dinge für jede Personen zerstört, denen er/sie helfen will.“[1]

Die „paradoxe“ Erfahrung, die in einer Broschüre der schwedischen Polizei beschrieben ist, wird auch in Deutschland gemacht werden, wenn das informelle Bündnis aus Kirchen, über EMMA[2] bis hin zu Teilen der Linken Sozialistischen Arbeitsgemeinschaft Frauen (LISA)[3] erfolgreich sein sollte. Sie treten erklärtermaßen für einen Umgang mit Sexarbeit[4] nach dem skandinavischen Modell ein und verwischen die Grenze zwischen Sexarbeit und Menschenhandel bewusst. Die Chancen stehen gut, denn das Thema verbindet unterschiedliche politische Lager und Landesministerinnen haben bereits Gesetzesinitiativen im Bundesrat angekündigt.

Die Fokussierung der Debatte über das skandinavische Modell auf den Aspekt der Bestrafung des Kaufs sexueller Dienstleistungen macht die Effekte der Rekriminalisierung für Sexarbeiterinnen[5] unsichtbar. Entgegen anderslautender Verklärungen ist fraglich, ob das skandinavische Modell hält, was von feministischen BefürworterInnen erhofft wird. Auf der anderen Seite werden vermutlich auf dem Ticket vermeintlichen Opferschutzes konservative SicherheitspolitikerInnrn, den Wunsch nach strikteren Migrationsbestimmungen und neuen Polizeibefugnissen durchsetzen.

Das Ende der Doppelmoral?

Was in der öffentlichen Debatte als „skandinavisches Modell“ verhandelt wird, besteht aus sehr unterschiedlichen Ansätzen, die jedoch gemein haben, dass sie den Kauf sexueller Dienstleistungen unter Strafe stellen. Beispielgebend war Schweden, das dies ab 1999 tat, Island und Norwegen folgten 2009. In Finnland ist seit 2003 der Kauf sexueller Dienstleistungen strafbar, wenn dieser durch Zuhälter organisiert wird oder die Anbietenden Opfer von Menschenhandel sind. Dies erscheint zunächst als ein Bruch mit einer patriarchalen Rechtstradition mit ihren moralischen Doppelstandards.

In bürgerlichen Gesellschaften wurde der Zugriff von Männern auf die Körper von Frauen immer über die sprichwörtliche bürgerliche Doppelmoral hergestellt. Während Frauen, die als Prostituierte arbeiteten gesellschaftlich stigmatisiert und strafrechtlich verfolgt wurden oder in Arbeitshäuser eingewiesen und durch Schutz- und Gesundheitspolizei als öffentliche Gefahr behandelt wurden, war der Kauf sexueller Dienstleistungen für Männer grundsätzlich akzeptiert. Rechtlich wurden Prostitution als sittlich-moralisches Ärgernis behandelt und Prostituierte als Objekte der (Um)Erziehung adressiert. Der Kampf gegen moralische Vorstellungen im Strafrecht im Allgemeinen und für die Entkriminalisierung von Sexarbeit wurde daher lange Zeit an vorderster Front von Feministinnen gegen Konservative und gegen die Kirchen geführt. In Deutschland schlug sich das nicht zuletzt in den Strafrechtsreform der später 1960er Jahre und den halbherzigen Änderungen durch das Prostitutionsgesetz 2002 nieder.

Oder erneutes Überwachen und Strafen?

Die in jüngster Zeit auch von einigen Feministinnen[6] vertretene Forderung nach einem neuerlichen Verbot von Sexarbeit bei asymmetrischer Bestrafung ausschließlich der Sexkäufer ist daher zumindest in Deutschland zunächst erklärungsbedürftig. Diese Position stützt sich meist auf zwei Stränge. Der erste führt die symbolische Wirkung von heterosexueller Sexarbeit durch Frauen und die daraus resultierende Fiktion einer allgemeinen Verfügbarkeit von weiblichen Körpern für die sexuellen Bedürfnisse von heterosexuellen Männern an. Der zweite Begründungsstrang zielt auf den Schutz von Ausbeutung im Kontext von Sexarbeit.

Recht zwischen symbolpolitischem Anspruch und praktischer Anwendung

Folgt man dem ersten Argumentationsstrang ist bereits die Existenz eines Verbots als staatliche Missbilligungserklärung ein Erfolg. Ob das Gesetz Sexarbeiterinnen schadet, wäre schlicht zweitrangig. Die Konsequenzen der Kriminalisierung des Kaufs sexueller Dienstleistungen werden jedoch meist mit dem Hinweis, diese richteten sich ausschließlich gegen die Käufer abgewiesen. In der praktischen Tätigkeit von Polizei- und Justiz ist die trennscharfe Kriminalisierung der Angebotsseite nicht durchzuhalten. Doch Recht hat eben neben einer symbolischen Wirkung auch materielle Auswirkungen. Kriminalisierung bedeutet Ermittlungstätigkeit und ggf. behördliche Repressionsmaßnahmen. Von Razzien im Millieu sind immer auch die Anbieterinnen sexueller Dienstleistungen betroffen. Für migrantische Sexarbeiterinnen steht dabei neben den Einkünften immer auch das das Aufenthaltsrecht in Frage. In Schweden kann beim Verdacht auf Sexarbeit die Einreise verweigert oder die Abschiebung eingeleitet werden. In der bereits zitierten Broschüre der schwedischen Polizei heißt es dazu trocken: „Wenn die verdächtige Person große Mengen Kondome oder sex toys bei sich führt, ist klar, dass irgendeine Form von Prostitution vorliegt. […] Nach einer abgestimmten Beurteilung haben die Behörden üblicherweise so viele Beweise, dass die fragliche Person abgeschoben werden kann. […] Dies ist eine gute Maßnahme der Kriminalitätsprävention. Schweden hat gezeigt, dass es keine gute Idee ist, nach Schweden zu kommen, um eine Prostituierte zu sein.“[7] Einige Sozialprojekte informieren die Immigrationsbehörden, sobald sie feststellen, dass Sexarbeiterinnen keine schwedischen Staatsangehörigen sind.[8] In Dänemark verlieren Drittstaatenangehörige automatisch ihren legalen Aufenthaltsstatus, wenn sie sich als Sexarbeiterinnen betätigen. [9]

Anders als von den Befürworterinnen des skandinavischen Modells behauptet, hat Repression gegen die „Nachfrageseite“ auch starke Auswirkungen auf die Sexarbeiterinnen selbst.

So sieht's aus, das skandinavische Modell. Keine Straßenprostitution weit und breit.

Prostitutionsverbot als Opferschutz

Der zweite Argumentationsstrang, der sich auf den Schutz von Opfern sexueller Ausbeutung bezieht, steht vor dem Problem, begründen zu müssen, warum er auch jene adressiert, die sich selbst nicht als Opfer fühlen oder sich unmittelbaren Zwangslagen nicht ausgesetzt sehen. In der Regel geschieht dies durch eine problematische Aufweichung des Opferbegriffs. Diskursiv geschieht dies insbesondere in EMMA, indem Sexarbeiterinnen, die sich gegen einen Opferstatus verwahren, unterstellt wird, sie seien manipuliert oder durch ihre Tätigkeit so stark traumatisiert, dass sie nicht mehr zwischen Entscheidung und Zwang zu unterscheiden wüssten. Eine andere Begründungsfigur argumentiert mit Hilfe von Statistiken über Wahrscheinlichkeiten als Sexarbeiterin betäubungsmittelabhängig, psychisch krank oder Opfer von sexualisierter Gewalt zu werden. Das Verbot von Sexarbeit soll also einer abstrakten Gefahr, Opfer anderer Straftaten zu werden, vorbeugen.

Grundsätzlich bleibt die Frage, inwiefern die Kriminalisierung des Kaufs sexueller Dienstleistungen Opfern von tatsächlich ja existierender Gewalt und Ausbeutung im Gewerbe helfen soll. Schließlich sind die meist implizit angesprochenen Tatbestände wie Vergewaltigung, Nötigung und Körperverletzungen bereits Straftaten für sich. Ein effektiver Opferschutz müsste also dort ansetzen.

Da SexarbeiterInnen befürchten müssen, wenn sie Hilfe bei der Polizei suchen auch zu anderen Kunden (die ja mit dem Kauf eine Straftat begangen haben), befragt zu werden, dürfte die Anzeigebereitschaft erheblich sinken. Dies gilt in verschärftem Maße für migrantische Sexarbeiterinnen, die in skandinavischen Ländern zudem wie geschildert Abschiebungen fürchten müssen. Dies führt dazu, dass sie selbst in Fällen von schwerer Gewalt oder Vergewaltigungen nicht die Polizei einschalten.[10]

In Schweden wurden nach 1999 zwar erhebliche Mittel für die Polizei bereitgestellt, jedoch keine zusätzlichen Mittel für die Beratung und Unterstützung von SexarbeiterInnen.[11] Dabei zeigen Studien zur Lebenssituation von Sexarbeiterinnen sehr wohl, dass sich deren Lage verschlechtert hat. In einem Report im Auftrag der schwedischen Regierung, der die Lebenssituation schwedischer Sexarbeiterinnen zwischen 2001 und 2006 vergleicht, kommt zu dem Ergebnis, dass sich „das Wohlbefinden [der Sexarbeiterinnen] in jeglicher Hinsicht verschlechtert hat. Diese Erkenntnisse stimmen mit anderen Ergebnissen überein, die zeigen, dass Personen, die der Prostitution nachgehen, stärker unter Angst leiden und dass der Gebrauch von Beruhigungsmitteln zugenommen hat. Offenbar waren zudem die Prosituierten mit ihrem Einkommen 2006 im Vergleich mit 2001 unzufriedener.“[12]

Eine neue Doppelmoral!

Die Fokussierung auf den Aspekt der Freierbestrafung überdeckt diskussionswürdige Ansätze auch der strafrechtlichen Würdigung von geschlechtsspezifischer Gewalt, die das schwedische Gesetz ebenfalls enthielt. Vielleicht ist das Erfolgsrezept der deutschen Diskussion über das skandinavische Modell gerade, dass es genau mit der bürgerlichen Doppelmoral eben doch nicht Schluss macht. Der Kauf sexueller Dienstleistungen, das hat sich in Skandinavien gezeigt, wird für heterosexuelle Männer faktisch möglich bleiben. Auch die Verachtung der Huren durch die sittsame Öffentlichkeit wird mit gewandeltem Vokabular beibehalten.

Mit der Rekriminalisierung lässt sich Straßenprostitution aus den innerstädtischen Konsumzonen verdrängen. Das freut Law-and-Order-Politiker, die das zwar bereits mittels Sperrbezirksverordnungen konnten und taten. Nur können sie dasselbe wohlmöglich bald unter dem Beifall einer feministischen Teilöffentlichkeit tun. Konservativen Rechts- und InnenpolitikerInnen bietet der Kriminalisierungsdiskurs die Chance einerseits eine neue Regulation von Migration unter dem Denkmantel des Opferschutzes durchzusetzen. Andererseits erscheint eine neue Runde bei der Verschärfung der Polizeigesetze aussichtsreich. Die Unverletzlichkeit der Wohnung gilt in Deutschland bereits jetzt für Sexarbeiterinnen nur eingeschränkt. In vielen Bundesländern reicht es, dass an einem Ort der Prostitution nachgegangen wird, um der Polizei das Betreten zu erlauben. Die Unverletzlichkeit der Wohnung ließe sich nun auch in den anderen Bundesländern angreifen, natürlich nur im Sinne des Opferschutzes.

Stefan Gerbing

Je lauter die Retter auftreten, desto mehr muss manche sie fürchten.

Stefan Gerbing ist Redakteur des prager frühling. In prager frühling #17 schrieb er über die revolutionäre Organisierung der Altonaer Prostituierten in der frühen Weimarer Republik.

Fußnoten

[1] Swedish National Police Board 2011, S. 7–8, (Übersetzung SG)

[2] Ausgangspunkt in Deutschland war EMMAs „Appell gegen Prostitution“, der von der Zeitschrift kampagnenförmig publizistisch begleitet wurde.

[3] Auch wenn die Position in der Partei DIE LINKE nicht hegemonial ist, haben LISA NRW und Wiesbaden Beschlüsse gefasst, in denen explizit das skandinavische Modell als Vorbild für einen Umgang mit Prostitution genannt wird.

[4] Mit dem Begriff Sexarbeit soll markiert werden, dass die Anbieter sexueller Dienstleistungen dies tun, um ein Einkommen zu erzielen. Nicht zuletzt um zu verhindern, wie im Papier von LISA NRW die Diskussion über Sexarbeit mit Diskussionen über befreite Sexualität zu vermischen.

[5] Ich verwende im Text ausschließlich die weibliche Form, da Debatten über das skandinavische Modell Auswirkungen auf sexuelle Dienstleistungen zwischen Personen gleichen Geschlechts, sowie sexarbeitenden Transpersonen zumeist ausklammern. Dieses Problem kann im Rahmen dieses Textes nur festgestellt werden.

[6] Darauf soll sich hier beschränkt werden, weil sie vom Autor im Gegensatz zu anders begründeten moralischen Erwägungen als die diskutierenswert betrachtet werden.

[7] Swedish National Police Board 2011, S. 19, (Übersetzung SG)

[8] Skilbrei und Holmström 2011, S. 485 FN 8

[9] Skilbrei und Holmström 2011, S. 485 FN 6

[10] Skilbrei hebt für Dänemark vor allem nigerianische Sexarbeiterinnen hervor, vgl. Skilbrei und Holmström 2011, S. 508–509

[11] Helfferich, Fischer et al. 2005 – Untersuchung Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes, S. 241.

[12] Swedish Institute 2010, S. 56, (Übersetzung SG)

Ausgewählte Literatur

Helfferich, Cornelia; Fischer, Claudia; Kavemann, Barbara; Leopold, Beabte; Rabe, Heike (2005): Untersuchung „Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes“. Abschlussbericht. Berlin, Freiburg, Online verfügbar: http://www.bmfsfj.de/doku/Publikationen/prostitutionsgesetz/pdf/gesamt.pdf.

Skilbrei, May-Len; Holmström, Charlotta (2011): Is there a Nordic prostitution regime? In: Michael H. Tonry (Hg.): Crime and justice in Scandinavia. Chicago, Ill. [u.a.]: Univ. of Chicago Press (Crime and justice, 40.2011), S. 479–517. Online verfügbar unter http://www.jstor.org/discover/10.1086/659841?uid=16804656&uid=3737864&uid=2&uid=3&uid=67&uid=16734256&uid=62&sid=21103420643163.

Swedish Institute (2010): Selected extracts of the Swedish government report SOU 2010:49. The Ban against the Purchase of Sexual Services — An evaluation 1999-2008. Online verfügbar unter http://www.government.se/content/1/c6/15/14/88/0e51eb7f.pdf.

Swedish National Police Board (2011): An approach to combating human trafficking. Online verfügbar unter http://polisen.se/PageFiles/168150/Handbok.engelsk.pdf.

  • Mögen

  • Versenden
  • Ausdrucken

Artikel versenden

Absender

Empfänger

Nutzungsbedingungen*

Ich verpflichte mich zur wahrheitsgemäßen Angabe meiner Daten. Ich weiß sicher, dass der/die Empfänger/in mit dem Empfang der E-Mail einverstanden ist. Ich übernehme die Verantwortung, wenn dies nicht der Fall ist. Zur Entlastung des Websitebetreibers gestatte ich, dass Datum, Uhrzeit, beide E-Mail-Adressen und meine IP-Adresse gespeichert werden. Nicht gespeichert wird die Nachricht an den Empfänger.

Schließen
Artikel aus der Ausgabe Februar 2014
Prager Frühling Februar 2014

Kommentar abgeben

Kommentare

  • Korrekte Information ist journalistische Pflicht

    Kommentar von Manuela Schon / LISA Wiesbaden
    geschrieben am 01. Mär 2014 12:53

    Schade, dass nun auch der Prager Frühling, den ich schon lange und gerne lese, in das Sex is work-Horn bläst und mit Desinformation über das nordische Modell "glänzt" - LISA Wiesbaden hat sich aufgrund intensiver Beschäftigung mit dem Thema für das nordische Modell ausgesprochen und steht damit übrigens in sozialistischer Tradition (Josephine Butler, zweite sozialistische Internationale, Abolitionismus) Es geht hier nicht um Moral und Prüderie - sondern eine Milliarden-Dollar-Industrie in der Frauen (und Männer und Transpersonen) systematisch ausgebeutet werden. Gewalt ist inhärent, ob als Auslöser für die Entscheidung für Prostitution, oder in der Prostitution selbst. Nur weil es ein paar glückliche Sexworkerinnen gibt heißt das nicht dass man deren Geschäftsmodell über das Wohl der großen Mehrheit stellen darf (89% antworten auf die Frage "was brauchst du"mit "Ausstieg aus der Prostitution") Der Einführung des nordischen Modells gingen Jahrzehnte (!) intensiver Beschäftigung mit der Prostitution voraus und es beruht insbesondere auf den Wünschen und Bedürfnissen der prostituierten Personen. Der 600-seitige Abschlussbericht des dreijährigen Malmö-Projekts beispielsweise umfasste alleine 140 Seiten Statements von Betroffenen. Die ständige Desinformation über das was in Schweden gemacht wurde und wird nervt einfach nur. Wer sich wirklich mal ein Bild machen will sollte sich "Being and Being Bought" von Kajsa Ekis Ekman durchlesen. Kajsa ist am 22. März bei einer Veranstaltung in Wiesbaden und spricht zum nordischen Modell, vielleicht setzt sich der Autor ja mal in den Zug und hört sich an was sie zu sagen hat.



    Was ist nur mit der deutschen Linken los, dass sie Neoliberalismus und der Zuhälterlobby so nach dem Mund redet?

  • Kritik ≠ Desinformation

    Kommentar von SG
    geschrieben am 10. Mär 2014 17:30

    Hallo Manuela, statt der Denunziation jedes skeptischen Einwandes gegen die nordische Prostitutionspolitik als von der Zuhälterlobby gesteuert, wäre es einer Diskussion sehr zuträglich, wenn Du Dich auf konkrete Argumente beziehen würdest.

    Fakt ist, dass der Malmö-Report selbst Zweifel daran aufwirft, ob das schwedische Gesetz a) Ziele die jenseits der symbolpolitischen Ebene erreicht und b) dazu beiträgt Gewalt gegen Sexarbeiter*innen zu bekämpfen. Und auch wenn die Zahlen, die Du ohne Quellenangabe nennst, repräsentativ wären - Kriminalisierung auch der Käuferseite ist ja eben keine Ausstiegshilfe für ausstiegswillige Sexarbeiter*innen, die in jedem Fall zu unterstützen wäre.

    Der Witz ist doch gerade, dass dafür in Schweden kein zusätzliches Geld bereitgestellt worden sind. Zusätzliche Mittel für die Polizei helfen den Sexarbeiterinnen im Zweifel nicht bzw. schaden den verwundbarsten unter ihnen. Was die Kulturjournalistin Kajsa Ekis Ekman zum Thema meint, kann man in ihrem Buch nachlesen. Es ersetzt m.e. nicht eine fundierte empirische Überprüfung der (vermutlich nicht intendierten) Folgen des nordischen Modells. Beste Grüße, SG

Schlagworte:

Bevor die nächste Blase platzt

In EU und Euroraum erleben wir wie der neoliberale, finanzgetriebene Kapitalismus einfach so weitermacht wie bisher. Was eine linke Antwort ist, kann als umstritten gelten: Rückzug in den nationalstaatlich organisierten Kapitalismus oder eine solidarische und demokratisierte Wirtschaftsordnung in Europa?

Wer ist das Volk?

Populismus als Kommunikationsform und Strategie

Wer ist das Volk in „Wir sind das Volk“? — Wir haben uns in Europa und den Amerikas auf die Suche nach dem Volk der rechten Wutbürger und dem Volk des Linkspopulismus begeben. Gefunden haben unsere AutorInnen populistische Elemente in der repräsentativen Demokratie und einen radikaldemokratische Impetus des Linkspopulismus. In den Beiträgen werden Fragen nach der (Un)Möglichkeit des Pluralismus innerhalb linkspopulistischer Strategien und nach der Realpolitik des Populismus an der Macht gestellt.

Angst essen Seele auf

Terror, Gewalt, Kriminalität — SicherheitspolitikerInnen behaupten darauf eine Antwort zu haben. Aber was war eigentlich noch mal die Frage? Unsere AutorInnen haben versucht herauszufinden, was das eigentlich ist: Sicherheit. Sie haben sich an Antworten darauf versucht, ob es eine linke und emanzipatorische Sicherheitspolitik geben kann und worin diese eigentlich bestehen sollte.

This is a movement

Die Neuaushandlung von Bewegungsfreiheit und Grenzregimen

Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen. … oder höchstens eine ganz kleine vielleicht oder einen Zaun aus Natodraht. Die selektive Abschottung des „Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts“ nach außen ist in seiner bisherigen Form gescheitert. Unsere AutorInnen intervenieren in diese Neuaushandlung zentraler Fragen von Nationalstaatlichkeit, globalen Rechten und Demokratie ...

Krieg und Frieden

Weltinnenpolitik und die Zukunft ziviler Konfliktbearbeitung

Putinversteherin und Faschistenfreund – in Diskussionen über den Umgang mit bewaffneten Konflikten, wird schnell auch rhetorisch scharf geschossen. In seiner neuen Ausgabe fragt prager frühling wie eigentlich linke Weltinnenpolitik geht und wie eine Neuerfindung des politischen Pazifismus ins Werk zu setzen wäre.

So nicht!

Demokratie als Praxis

Griechenland hat die Austeritätspolitik abgewählt - durchgesetzt hat dies eine linke soziale Bewegung auf den Straßen und Plätzen. Ohne die enge Verzahnung mit Syriza als parlamentarischer Verlängerung wäre dies nicht möglich gewesen. In Dresden hingegen marschiert mit Pegida eine neue APO von rechts und mit der AfD rückt eine neue Rechtspartei in die Parlamente ein. Genügend Gründe also sich mit den Formatierungen parlamentarischer Demokratie zu beschäftigen. Spielräume für emanzipatorische Kämpfe zu ergründen und Beschränkungen einer Politik im Zählverein zu analysieren.

No Future?!

Not this Future!

Elendig lange scheint es her, dass Francis Fukuyama en passant mit dem Ende der Geschichte auch das Ende des Zukunftsdenkens ausgerufen hat. Elendig ist das gegenwärtige Zukunftsdenken auch nach dem Ende dieses „Endes der Geschichte“. In Politik, Wissenschaft und Literatur ist der Bedeutungshorizont von Zukunft auf die Begrifflichkeiten der Versicherungsmathematik zusammengeschrumpft. Der Versuch einer Rettung

Common Sense?!

Von Sinn und Eigensinn der Commons

Emanzipatorische Alternative jenseits von Markt und Staat oder nur Lückenbüßer für vormals staatlich organisierte Aufgaben? Unsere Autor*innen haben sich auf die Suche nach heutigen Commons gemacht. Im ersten Teil der Ausgabe haben sie die Kontaktzonen zum Markt, Staat und Care-Ökonomien besichtigt und theoretisch vermessen. Im zweiten Teil der Ausgabe haben sie Gemeinschaftsgärten durchstreift sowie an „Energietischen“ gesessen, um Kämpfe um Commons zu dokumentieren.

Feiern, wie sie fallen?!?

Über das Verhältnis von Opponieren, Regieren und Protestieren

Die heilige Dreifaltigkeit der Linken ist die Trinität aus Protestieren, Opponieren, Mitregieren. Bei der Frage, in welcher Beziehung die drei stehen, gerät die Gemeinde oft ins Stammeln und die politischen Theologen antworten mit dürren Dogmen. Unsere AutorInnen haben zunächst gefragt, wo er ist, der ominöse Ort der Macht und sind ihm dann mit steilen Thesen auf den Leib gerückt.

Wo Strom ist, ist Widerstand

Digitaler Protest und elektronische Demokratie

Unsere AutorInnen fragen sich, ob die Schwarmintelligenz den Cybersexismus überwinden kann und wo genau die Grenzen des digitalen Medienbaukastens verlaufen. Kai van Eikels analysiert die Ideologie des „Nerds“ und Mathias Schindler erklärt, wie es mit Wikipedia weitergeht. In den Feminismen gibt Dr. Lady Bitch Ray dem Feminismus der ersten Welle einen fetten Zungenkuss, während Stefan Gerbing in der ersten Hurenzeitung der Weimarer Republik geblättert hat.

Burn-out den Verhältnissen

… oder die Revolution kommt immer zu spät

Nein, ihr habt’s wieder falsch verstanden! Entschleunigung heißt nicht Breitbandrossel, liebe Telekom. Und Du, Frankfurter Polizei: Die Entdeckung der Langsamkeit meint nicht, zehn Stunden Zwangsentschleunigung im Kessel. In der Stress-Ausgabe prager frühling geht’s, darum wie man es richtig macht.

Essen und gegessen werden

Erst so ein Fressen und dann auch noch Moral!

Der Realsozialismus ist auch auf der Speisekarte gescheitert: Als Diktatur des schlechten Geschmacks. Die Verhältnisse an kapitalistischen Tafel sind nicht weniger ungenießbar. Tausch von ökonomischem und sozialem Kapital geht vor. Wenn Renate Künast eine Flasche fairen Bio-Orangensaft kauft, geht locker das Tagesbudget eines Hartz-IV beziehenden Kindes über die Theke ...

Battlen statt Betteln.

prager frühling entwickelt die neue soziale Idee!

Die neue Ausgabe des prager frühling erscheint am 26.10.2012 und kann hier bestellt werden.Im Schwerpunkt geht es diesmal um die „Neue soziale Idee“ und damit die Frage nach emanzipatorischen Potentialen, aber auch den Grenzen einer linken Sozialpolitik.

Autoritäres Krisenregime

Deutsche Euros rollen wieder …

Und in Berlin singen die Ultras von der FDP gemeinsam mit den Polithools vom rechten Rand: „Protektorat statt Europarat!“ Wird in Griechenland bald mehr als nur Deutsch gesprochen? Unsere AutorInnen stellen sich dem Einmarsch entgegen. Lucas Oberndorfer analysiert den autoritären Wettbewerbsetatismus als Krisenbearbeitungsstrategie ...

Sex! Sex! Sex!

Über die schönsten Nebenwidersprüche der Welt

Von wegen „schönste Nebensache“ der Welt. Sex ist diesmal der Schwerpunkt unseres Heftes. Während uns die Starsoziologin Eva Illouz über den Zusammenhang von Kapitalismus und Partnerwahl aufklärt, analysiert Kathy Meßmer Intimchirurgie als widersprüchliche Praxis. Außerdem im Schwerpunkt: ...

Affentanz um Nahost

Nichts sehen, nichts hören, laut brüllen — geht die Linke über den Jordan?

Ach diese Linken! Sie wissen genau, wie es Frieden zwischen Ramallah und Tel Aviv geben kann und sie brüllen es heraus – in Düsseldorf und Frankfurt. Während die Einen schreien: „Straßenschlacht in Ramallah, die Panzer sind die Antifa“, brüllen die Anderen: „Intifada bis zum Sieg ...

Reinheitsverbot

Parallel sind immer die Anderen!

prager frühling stößt an: ein Prosit den Parallelgesellschaften! Schon klar, Integration fordert immer die Anderen. Deshalben sagen wir: "Erst wenn Efes sich ins deutsche Biersortiment eingegliedert hat und ein Hefeweizen anbietet, werdet ihr merken, dass man so etwas nicht trinken kann." Wie aber geht sozialistischer Antirassismus? Etienne Balibar, Nichi Vendola und viele andere versuchen sich in Antworten ...

Im Zweifel Dagegen!

Schwerpunktheft Dissidenz und ziviler Ungehorsam

Dissidenz und ziviler Ungehorsam sind die Hefe linker Politik. Kann Sie auch Schmiermittel des Kapitalismus sein? Wo schlägt Subversion in unpolitischen Abweichungsfetisch um? Unsere Autor_innen schauen nach, diskutieren und polemisieren.

com.munismus. komm!

Auf dem Weg zum Wissenskommunismus

Ist geistiges Eigentum Diebstahl? Stellen Raubkopien das Ergebnis von Aneignung oder eine besonders perfide Ausbeutung des Kreativproletariats dar? Darüber diskutieren in unserem Heft u.a. Michael Hardt, Cornelia Koppetsch, Sabine Nuss und Stefan Meretz. Digital Natives diskutieren die Implikationen der Digitalisierung von Demokratie ...

Crossover

Gegenmacht oder gegen Macht?

„Crossover“ ist der Versuch, eine Diskussion über politische Kooperation von sozialistischen, grünen und sozialdemokratischen Positionen in Gang zu setzen, deren Ergebnis hegemoniefähige progressive Reformprojekte werden sollen. So nahe liegend dies angesichts des Niedergangs der neoliberalen Ära ist, so blockiert ist diese Perspektive dennoch ...

Klimawandel und Gesellschaftsveränderung

System change not climate change!

Den politischen Gemütszustand unserer Welt beschreibt nichts besser als der alte Kalauer: „Öko? Logisch.“ Niemand schmunzelt mehr drüber, aber alle nehmen den Schenkelklopfer für sich in Anspruch. Dass alles irgendwie auch „öko“ sein müsse, also die Sache mit der Umwelt halt ein Problem sei, ist – logisch – Allgemeinplatz geworden ...

Die Linke und die Nation.

Hattu Nation, muttu entgrenzen

Die Linke und die Nation ist der Schwerpunkt der fünften Ausgabe des prager frühlings. Außerdem beschäftigen wir uns unter dem Motto "balkan beats" mit der Linken in Post-Jugoslawien. Mit dabei sind Thomas Seibert, Julia Bonk, Klaus Höpcke, Michel Albert, Christin Löchner, Lothar Bisky, Ringo Bischoff, Katja Kipping, Andreas Fischer-Lescano und die Band Ego-Tronic ...

Her mit dem schönen Leben!

Infrastruktursozialismus statt Hartz IV

Original sanktionsfrei: Weg mit Hartz IV! Her mit dem schönen Leben! Neben vielen investigativen und weniger investigativen Beiträgen zum Hartz IV-Regime, wollen wir Euch in dieser Ausgabe auch unseren Vorschlag vorstellen, dem Hartz IV-Regime die Forderung nach einem Infrastruktursozialismus entgegen zu setzen ...

Democracy against the machine

Radikaldemokratie statt FdGO

Februar 2009 erschien die dritte Ausgabe des prager frühling. Das Schwerpunktthema ist "Demokratie und Herrschaft" mit Beiträgen und Artikeln von Chantal Mouffe (University of Westminster, London), Jürgen Peters (IG Metall), Colin Crouch, Franziska Drohsel (Juso-Vorsitzende), die Gruppe Soziale Kämpfe, Sonja Buckel (Universität Frankfurt) und viele andere mehr ...

Auf der Suche nach der Ästhetik des Widerstandes

Alles Politur? Zum Verhältnis von Politik und Kultur

Mitte Oktober 2008 kam die zweite Ausgabe von prager frühling, dem neuem Magazin für Freiheit und Sozialismus. Das nächste Heft widmet sich schwerpunktmäßig dem Verhältnis von Politik und Kultur. Ziel der Redaktion ist es, politisches Engagement und Kultur einander näher zu bringen. Dabei geht es nicht um eine Kolonisierung des einen Bereichs durch den anderen ...

Neue Linke: Alles beim Alten?

NeuBegründung als Bruch nach vorn

Der Schwerpunkt der ersten Ausgabe des Magazins prager frühling heißt "Refound: NeuBegründung". Unsere Autorinnen erklären was der "Bruch nach vorn" ist. Mit dabei Frigga Haug, Thomas Seibert, Hans Jürgen Urban, Daniela Dahn und Michel Friedmann.

Sprungmarken: Zum Seitenanfang, Zur Navigation, Zum Inhalt.