Prager Frühling, Magazin für Freiheit und Sozialismus (www.prager-fruehling-magazin.de)

Wiedervorlage: Die Politik der „Gewerkschaftlichen Orientierung“

Harald Weinberg

Zur Einordnung der Politik der „gewerkschaftlichen Orientierung“ und der Entwicklung des SHB ist ein historischer Rückblick sinnvoll: 1959 vollzog die SPD mit dem „Godesberger Programm“ eine grundlegende Neuausrichtung, nämlich weg von einer – zumindest dem eigenen Selbstverständnis nach – sozialistischen Arbeiterpartei hin zu einer „linken Volkspartei“. Hintergrund hierfür war u.a. die 1953 vom Soziologen Helmut Schelsky geprägte Beschreibung der sich entwickelnden Sozialstruktur der BRD als „nivellierte Mittelstandsgesellschaft“, in der die traditionelle Klassenzugehörigkeit keine Rolle mehr spielen würde. Gleichzeitig vollzog die SPD mit dem „Godesberger Programm“ einige wesentliche Revisionen von bisherigen Grundpositionen: Es gab nun eine grundsätzliche Anerkennung der Landesverteidigung und somit der Wiederbewaffnung; man bekannte sich zur Westbindung und auch zur sozialen Marktwirtschaft mit dem von Karl Schiller geprägten Satz: „Wettbewerb soweit wie möglich Planung soweit nötig!“

Das Programm wurde schlussendlich mit großer Mehrheit verabschiedet. Im Vorfeld gab es jedoch heftige Auseinandersetzungen und sogar zwei Alternativentwürfe von Wolfgang Abendroth und Peter von Oertzen. Abendroth gehörte zu den Förderern des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS), der zu dieser Zeit noch die Studierendenorganisation der SPD war. Die SDS-Mehrheit unterstützte die Position Abendroths in der Programmdebatte.

Nach der Godesberger Wende kam es zwischen der SPD-Führung und der SDS-Mehrheit zu einer zunehmenden Entfremdung und Konfrontation. 1961 fasste die SPD-Spitze schließlich einen Unvereinbarkeitsbeschluss, der SDS-Mitglieder und Unterstützer wie Wolfgang Abendroth aus der Partei ausschloss. Schon ein Jahr zuvor wurde ein neuer parteibraver Studierendenverband gegen den SDS in Stellung gebracht, nämlich der Sozialdemokratische Hochschulbund (SHB). Dieser bewegte sich zunächst auch völlig auf der Linie des Godesberger Programms.

Marxistische Renaissance und StaMoKap

Im Zuge der 68er Studentenbewegung mit seiner Renaissance marxistischer Theorieaneignung entwickelte sich auch der SHB immer weiter nach links. Dabei gehörte der SHB mehrheitlich eher zu den „Traditionalisten“ und wendete sich zunehmend der Theorie des Staatsmonopolistischen Kapitalismus“ — umgangssprachlich SMK oder StaMoKap — zu. 1972 eskalierte der schwelende Streit mit der SPD an der Namensfrage; es kam zur Aberkennung der Bezeichnung „Sozialdemokratisch“. Seitdem hieß der SHB nun „Sozialistischer Hochschulbund“. Bald darauf wurden die ersten Juso-Hochschulgruppen gegründet, die dem SHB an den Hochschulen Konkurrenz machen sollten. Ein Unvereinbarkeitsbeschluss wurde im Parteivorstand mehrmals erwogen, aber letztlich nicht umgesetzt.

Die SMK-Theorie hatte als historische Kapitalismusanalyse in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts eine weite Verbreitung und einen großen Einfluss auf die sozialistische und die kommunistische Linke der BRD. Ihr Einfluss reichte aber bis weit in die Sozialdemokratie hinein.

Staatsmonopolistischer Kapitalismus war in dieser Analyse die Bezeichnung für eine bestimmte historische Phase des (Spät-)Kapitalismus, die im Kern durch zwei besondere ökonomische und politische Merkmale gekennzeichnet ist:[1]

Erstens: Zunehmende Kapitalkonzentration und die Dominanz von oligopolistischen oder monopolistischen Strukturen wie multinationale Konzerne und multinationales Finanzkapital in nahezu allen wichtigen Branchen.
Zweitens: Eine wechselseitige Durchdringung der staatlichen mit diesen monopolistischen Strukturen im Sinne von Beeinflussung (Lobbyismus) und letztlich sogar Indienstnahme staatlich-politischer Regulierung und Deregulierung um die Verwertungs- und Profitmöglichkeiten der Monopole zu verbessern.

Dabei interpretierte die SMK-Theorie diese Entwicklungen als einen Vergesellschaftungsprozess, der aus dem Grundwiderspruch des Kapitalismus resultiere, nämlich gesellschaftliche Produktion unter dem Diktat des privaten Eigentums an Produktionsmitteln zu sein. Die staatliche Einflussnahme sei notwendig, um diesen Grundwiderspruch einzuhegen, böte aber gleichzeitig dadurch die Chance eines „Hinüberwachsens“ des Staatsmonopolistischen Kapitalismus in eine sozialistische Gesellschaft, so vor allem vertreten bei der marxistischen Linken in der SPD, beispielsweise in den „Herforder Thesen“.

Die politische und strategische Konsequenz aus der SMK-Theorie war die Ausrichtung auf die Schaffung eines antimonopolistischen Bündnisses der lohnabhängigen Klasse mit anderen sozialen Schichten und gesellschaftlichen Gruppierungen auf der Basis eines gemeinsamen Interesses gegenüber dem staatsmonopolistischen Blocks. In den aktuellen Debatten begegnet einem das als „Mitte-Unten-Bündnis“.

Veränderte Klassenlage der Intelligenz

An den Hochschulen fand diese strategische und politische Ausrichtung ihre Entsprechung in einer Politik der „Gewerkschaftlichen Orientierung“, wie sie von SHB, MSB Spartakus und Teilen der Juso-Hochschulgruppen vertreten wurde. Hintergrund war die Annahme einer veränderten Klassenlage der Intelligenz infolge der Wissenschaftlich-Technischen Revolution, mit der Wissenschaft eine unmittelbare Produktivkraft geworden sei. Die These lautete, dass sich damit eine objektive Grundlage für ein Bündnis zwischen Arbeiterklasse und Intelligenz ergäbe. Tatsächlich kam es im Rahmen der Bildungsreformen und im Zuge der Wissenschaftlich-Technischen Revolution zu einer deutlichen Öffnung der Hochschulen und Universitäten für weitere Kreise der Bevölkerung. Die Ordinarien-Universität wurde dabei umgebaut und demokratisiert. Der „Muff von tausend Jahren unter den Talaren“ wurde ausgelüftet, neue experimentelle Hochschultypen, wie die Gesamthochschulen, entstanden. Es handelte sich dabei um eine restriktive Entfesselung. Im Interesse der Kapitalverwertung wurde eine allgemeine Höherqualifizierung gestrebt, aber gleichzeitig der gesamte Herrschaftsrahmen nicht in Frage gestellt. In der Folge wurde Hochschulausbildung zu einem Massenphänomen. Die Perspektive nach der Ausbildung war nun aber vielfach, dass die Akademiker zum Verkauf ihrer – wenngleich besonders qualifizierten – Arbeitskraft gezwungen waren, sich also eine akademischen Lohnarbeit herausgebildet hat. Dies böte – bei allen Unterschieden, die blieben – die objektive Möglichkeit, diese Gruppen und Schichten in den Kampf der Arbeiterbewegung um Emanzipation und Partizipation einzubeziehen.

Politik der „Gewerkschaftlichen Orientierung“

Im Kern ging es der Politik der „Gewerkschaftlichen Orientierung“ um drei Ziele:

  1. Die Orientierung der Studierenden auf die Gewerkschaften als ihre Interessens- und Kampforganisationen während und nach ihrer Ausbildung. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft öffnete sich daher in den 1970er Jahren und nahm Studierende als Mitglieder auf.
     
  2. Unmittelbare Einbeziehung der Studierenden in Kämpfe zur Verbesserung ihrer Studienbedingungen und ihrer sozialen Lage (BaföG, Miete, Mensa) im Rahmen der Organe der verfassten Studentenschaft (Fachschaftsräte, AStA, VDS).
     
  3. Kämpfe um emanzipatorischen Ziele und Inhalte der Hochschulausbildung und –forschung im Rahmen beispielsweise von Aktionen gegen die Militarisierung der Hochschulen oder in konkreten Berufungsverfahren unter der Parole „Marx an die Uni!“.

In den 70er und 80er Jahren erzielten die genannten Verbände mit dieser Politik der „Gewerkschaftlichen Orientierung“ beträchtliche Erfolge bei Wahlen zu Studentenparlamenten und stellten in der Hochzeit mehr als die Hälfte aller Allgemeinen Studenten Ausschüsse (AStA). Es kam zu mehreren bundesweiten Streikaktionen und Demonstrationen für eine Bafög-Novelle und gegen das Hochschul-Rahmengesetz, an denen sich bis zu 30.000 Studierende beteiligten.

Eingebettet waren diese Kämpfe auch in Auseinandersetzungen an der Hochschule und in den Gewerkschaften um wissenschaftliche Studien zu den Folgen von Rationalisierungs- und Automatisierungsprozessen in der industriellen Produktion und im Dienstleistungssektor. Zu nennen wäre hier die Studie, die als ein Standardwerk der Industriesoziologie gilt und am Soziologischen Forschungsinstitut (SOFI) in Göttingen entstand: „Industriearbeit und Arbeiterbewusstsein“ von Kern/Schumann. Oder auch die umfangreichen theoretischen und empirischen Untersuchungen der „Projektgruppe Automation und Qualifikation“ unter der Leitung von Frigga Haug. Diese Studien zeugten nicht nur von einer damals noch lebhaften engen Verzahnung von Gewerkschaften und einer Wissenschaft, die sich im brechtschen Sinne verpflichtet fühlte, die Mühsal der menschlichen Existenz zu erleichtern, sondern sie wurden auch breit und weit über die Hochschulen hinaus rezipiert und diskutiert. Dieser Aspekt sei hier erwähnt, weil man in der aktuellen Debatte um die Auswirkungen der Digitalisierung hier anknüpfen könnte und sollte.

Auch die in den 1970er und 80er Jahren entwickelte „Kritische Psychologie“ wurde innerhalb der linken Kreise breit diskutiert und gab der Politik der „Gewerkschaftlichen Orientierung“ noch einmal neue Impulse. Dabei ging es um die Entwicklung einer materialistisch fundierten Subjektwissenschaft, die nach den wesentlichen subjektiven Voraussetzungen für die Entstehung aber auch für die Blockierung einer gesellschaftsverändernden Handlungsfähigkeit fragt. Die grundlegenden Arbeiten stammten von Klaus Holzkamp und Ute Osterkamp.

In den späten 1980er Jahren hatte sich die Politik der „Gewerkschaftlichen Orientierung“ an den Hochschulen erschöpft und war durch eine inhaltliche Verflachung gekennzeichnet. Ein gewerkschaftliche Kampfformen nur noch simulierender Aktionismus und ein gewisses Desinteresse an den Inhalten und Zielen des Wissenschaftsbetriebs sprach immer weniger Studierende an. Mit dem Epochenbruch 1989-91 gerieten auch die Verbände SHB und MSB Spartakus, die die Politik der „Gewerkschaftlichen Orientierung“ in der Hauptsache vertraten, in eine existenzielle Krise und lösten sich schließlich auf. An den Hochschulen setzte sich der Formierungsprozess einer Unterordnung unter und Ausrichtung an den Verwertungsinteressen des Kapitals nunmehr ungebremst fort und hält eigentlich bis heute an. Sozialstrukturanalysen und Fragen nach der Klassenlage der Intelligenz finden kaum mehr statt, obwohl die gängigsten Studienabschlüsse, Bachelor (Geselle) und Master (Meister) auf eine relativ ungebrochene Tendenz in Richtung akademische Lohnarbeit hinzudeuten scheinen.

Zentrale Fragestellungen bleiben aktuell

Auch wenn manch StaMoKapler die Kapitalismuskritik wie dieser Ex-Bürgermeister individuell überwunden hat, einige zentrale Fragen stellen sich nach wie vor ...

Die Rahmenbedingungen haben sich seit den 1980er Jahren beträchtlich verändert, vor allem natürlich durch den Epochenbruch 1989-91 und der seither ungezügelten Entwicklung des Finanzmarktkapitalismus. Im Einzelnen sind folgende Veränderungen zu berücksichtigen, die eine Modifikation oder Revision der SMK-Theorie nach sich ziehen müssten:

Es gibt ein neues und neu zu bestimmendes Verhältnis von Monopolen zum Staat: Monopole mit ihrer ursprünglich nationalen Basis sind über „ihre“ Nationalstaaten hinausgewachsen und spielen nun im globalen Kapitalismus die Nationalstaaten, zum Beispiel in der Besteuerung, gegeneinander aus. Die Finanzsphäre als eigenständige virtuelle Anlagesphäre wurde zunehmend gegenüber der Realwirtschaft dominant und entzieht sich trotz der schweren Finanzmarktkrise 2008 immer noch erfolgreich allen Regulierungsversuchen.

Das Staatsverständnis der SMK-Theorie war recht holzschnittartig. Durch die Einbeziehung der Theorien von Gramsci, Poulantzas, Bourdieu, Joachim Hirsch und anderen ist das marxistische Staatsverständnis deutlich erweitert und differenziert worden.

Aber einige zentrale Fragen bleiben aus der SMK-Theorie bestehen: Gibt es eine objektive Grundlage, auf der eine gemeinsame politische Aktion gegen den herrschenden Block möglich ist? Und wenn das bestimmbar ist, wie gelangen wir von der Möglichkeit an sich zur Ermöglichung für sich? Und welche Rolle kommt dabei der LINKEN zu? Wäre es nicht ihre Aufgabe, als moderne Klassenpartei der verbindende und orientierende Katalysator zu sein, um diesen Formierungsprozess zu ermöglichen?

Harald Weinberg war von 1980 bis 1986 Mitglied im Sozialistischen Hochschulbund (SHB) und ab 1984 dessen Bundesvorsitzender. Heute ist er linker MdB und beschäftig sich schwerpunktmäßig mit Gesundheitspolitik.

[1] Die nachfolgende Darstellung ist verkürzt und wird der Komplexität der SMK-Theorie nicht gerecht. Und auch der teilweise berechtigten Kritik an der SMK-Theorie kann hier kein Raum gegeben werden, da dies den Rahmen dieses Artikels sprengen würde.

Download-Dokumente:

  • Mögen

  • Versenden
  • Ausdrucken

Artikel versenden

Absender

Empfänger

Nutzungsbedingungen*

Ich verpflichte mich zur wahrheitsgemäßen Angabe meiner Daten. Ich weiß sicher, dass der/die Empfänger/in mit dem Empfang der E-Mail einverstanden ist. Ich übernehme die Verantwortung, wenn dies nicht der Fall ist. Zur Entlastung des Websitebetreibers gestatte ich, dass Datum, Uhrzeit, beide E-Mail-Adressen und meine IP-Adresse gespeichert werden. Nicht gespeichert wird die Nachricht an den Empfänger.

Schließen
Artikel aus der Ausgabe März 2018
Prager Frühling März 2018

Kommentar abgeben

Klasse mit Gedöns!

Die politische Linke habe sich die letzten Jahrzehnte zu viel mit Gedöns und zu wenig mit Klassenpolitik beschäftigt, so ist im politischen Feuilleton derzeit häufiger zu lesen. Nur: Stimmt das überhaupt? Und was hieße Klassenpolitik auf der Höhe der Zeit?

Tod der alten Dame?

Ob PASOK in Griechenland oder die Parti Socialiste in Frankreich, in vielen Ländern sind die Sozialdemokraten zu Kleinstparteien geworden. Auch hierzulande geht’s der SPD alles andere als gut. Was bedeutet die Schwäche der SPD für die Linke? Was für eine sozialistische Europapolitik? Eine Ausgabe über Glanz und Elend der realexistierenden Sozialdemokratie.

Versteckte Gemeinsamkeit

Sie hassen und sie brauchen sich. Die völkische Rechte nutzt islamistischen Terror und neo-salafistische Ideologie zur Selbstermächtigung und zur geistigen Aufrüstung beim Kampf um die Straße. Unsere Autor*innen gehen der Frage nach, woher sich diese „autoritären Revolten” speisen, wie ihnen zu begegnen ist und welche Rolle eine emanzipatorische Linke dabei spielen sollte.

Bevor die nächste Blase platzt

In EU und Euroraum erleben wir wie der neoliberale, finanzgetriebene Kapitalismus einfach so weitermacht wie bisher. Was eine linke Antwort ist, kann als umstritten gelten: Rückzug in den nationalstaatlich organisierten Kapitalismus oder eine solidarische und demokratisierte Wirtschaftsordnung in Europa?

Wer ist das Volk?

Populismus als Kommunikationsform und Strategie

Wer ist das Volk in „Wir sind das Volk“? — Wir haben uns in Europa und den Amerikas auf die Suche nach dem Volk der rechten Wutbürger und dem Volk des Linkspopulismus begeben. Gefunden haben unsere AutorInnen populistische Elemente in der repräsentativen Demokratie und einen radikaldemokratische Impetus des Linkspopulismus. In den Beiträgen werden Fragen nach der (Un)Möglichkeit des Pluralismus innerhalb linkspopulistischer Strategien und nach der Realpolitik des Populismus an der Macht gestellt.

Angst essen Seele auf

Terror, Gewalt, Kriminalität — SicherheitspolitikerInnen behaupten darauf eine Antwort zu haben. Aber was war eigentlich noch mal die Frage? Unsere AutorInnen haben versucht herauszufinden, was das eigentlich ist: Sicherheit. Sie haben sich an Antworten darauf versucht, ob es eine linke und emanzipatorische Sicherheitspolitik geben kann und worin diese eigentlich bestehen sollte.

This is a movement

Die Neuaushandlung von Bewegungsfreiheit und Grenzregimen

Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen. … oder höchstens eine ganz kleine vielleicht oder einen Zaun aus Natodraht. Die selektive Abschottung des „Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts“ nach außen ist in seiner bisherigen Form gescheitert. Unsere AutorInnen intervenieren in diese Neuaushandlung zentraler Fragen von Nationalstaatlichkeit, globalen Rechten und Demokratie ...

Krieg und Frieden

Weltinnenpolitik und die Zukunft ziviler Konfliktbearbeitung

Putinversteherin und Faschistenfreund – in Diskussionen über den Umgang mit bewaffneten Konflikten, wird schnell auch rhetorisch scharf geschossen. In seiner neuen Ausgabe fragt prager frühling wie eigentlich linke Weltinnenpolitik geht und wie eine Neuerfindung des politischen Pazifismus ins Werk zu setzen wäre.

So nicht!

Demokratie als Praxis

Griechenland hat die Austeritätspolitik abgewählt - durchgesetzt hat dies eine linke soziale Bewegung auf den Straßen und Plätzen. Ohne die enge Verzahnung mit Syriza als parlamentarischer Verlängerung wäre dies nicht möglich gewesen. In Dresden hingegen marschiert mit Pegida eine neue APO von rechts und mit der AfD rückt eine neue Rechtspartei in die Parlamente ein. Genügend Gründe also sich mit den Formatierungen parlamentarischer Demokratie zu beschäftigen. Spielräume für emanzipatorische Kämpfe zu ergründen und Beschränkungen einer Politik im Zählverein zu analysieren.

No Future?!

Not this Future!

Elendig lange scheint es her, dass Francis Fukuyama en passant mit dem Ende der Geschichte auch das Ende des Zukunftsdenkens ausgerufen hat. Elendig ist das gegenwärtige Zukunftsdenken auch nach dem Ende dieses „Endes der Geschichte“. In Politik, Wissenschaft und Literatur ist der Bedeutungshorizont von Zukunft auf die Begrifflichkeiten der Versicherungsmathematik zusammengeschrumpft. Der Versuch einer Rettung

Common Sense?!

Von Sinn und Eigensinn der Commons

Emanzipatorische Alternative jenseits von Markt und Staat oder nur Lückenbüßer für vormals staatlich organisierte Aufgaben? Unsere Autor*innen haben sich auf die Suche nach heutigen Commons gemacht. Im ersten Teil der Ausgabe haben sie die Kontaktzonen zum Markt, Staat und Care-Ökonomien besichtigt und theoretisch vermessen. Im zweiten Teil der Ausgabe haben sie Gemeinschaftsgärten durchstreift sowie an „Energietischen“ gesessen, um Kämpfe um Commons zu dokumentieren.

Feiern, wie sie fallen?!?

Über das Verhältnis von Opponieren, Regieren und Protestieren

Die heilige Dreifaltigkeit der Linken ist die Trinität aus Protestieren, Opponieren, Mitregieren. Bei der Frage, in welcher Beziehung die drei stehen, gerät die Gemeinde oft ins Stammeln und die politischen Theologen antworten mit dürren Dogmen. Unsere AutorInnen haben zunächst gefragt, wo er ist, der ominöse Ort der Macht und sind ihm dann mit steilen Thesen auf den Leib gerückt.

Wo Strom ist, ist Widerstand

Digitaler Protest und elektronische Demokratie

Unsere AutorInnen fragen sich, ob die Schwarmintelligenz den Cybersexismus überwinden kann und wo genau die Grenzen des digitalen Medienbaukastens verlaufen. Kai van Eikels analysiert die Ideologie des „Nerds“ und Mathias Schindler erklärt, wie es mit Wikipedia weitergeht. In den Feminismen gibt Dr. Lady Bitch Ray dem Feminismus der ersten Welle einen fetten Zungenkuss, während Stefan Gerbing in der ersten Hurenzeitung der Weimarer Republik geblättert hat.

Burn-out den Verhältnissen

… oder die Revolution kommt immer zu spät

Nein, ihr habt’s wieder falsch verstanden! Entschleunigung heißt nicht Breitbandrossel, liebe Telekom. Und Du, Frankfurter Polizei: Die Entdeckung der Langsamkeit meint nicht, zehn Stunden Zwangsentschleunigung im Kessel. In der Stress-Ausgabe prager frühling geht’s, darum wie man es richtig macht.

Essen und gegessen werden

Erst so ein Fressen und dann auch noch Moral!

Der Realsozialismus ist auch auf der Speisekarte gescheitert: Als Diktatur des schlechten Geschmacks. Die Verhältnisse an kapitalistischen Tafel sind nicht weniger ungenießbar. Tausch von ökonomischem und sozialem Kapital geht vor. Wenn Renate Künast eine Flasche fairen Bio-Orangensaft kauft, geht locker das Tagesbudget eines Hartz-IV beziehenden Kindes über die Theke ...

Battlen statt Betteln.

prager frühling entwickelt die neue soziale Idee!

Die neue Ausgabe des prager frühling erscheint am 26.10.2012 und kann hier bestellt werden.Im Schwerpunkt geht es diesmal um die „Neue soziale Idee“ und damit die Frage nach emanzipatorischen Potentialen, aber auch den Grenzen einer linken Sozialpolitik.

Autoritäres Krisenregime

Deutsche Euros rollen wieder …

Und in Berlin singen die Ultras von der FDP gemeinsam mit den Polithools vom rechten Rand: „Protektorat statt Europarat!“ Wird in Griechenland bald mehr als nur Deutsch gesprochen? Unsere AutorInnen stellen sich dem Einmarsch entgegen. Lucas Oberndorfer analysiert den autoritären Wettbewerbsetatismus als Krisenbearbeitungsstrategie ...

Sex! Sex! Sex!

Über die schönsten Nebenwidersprüche der Welt

Von wegen „schönste Nebensache“ der Welt. Sex ist diesmal der Schwerpunkt unseres Heftes. Während uns die Starsoziologin Eva Illouz über den Zusammenhang von Kapitalismus und Partnerwahl aufklärt, analysiert Kathy Meßmer Intimchirurgie als widersprüchliche Praxis. Außerdem im Schwerpunkt: ...

Affentanz um Nahost

Nichts sehen, nichts hören, laut brüllen — geht die Linke über den Jordan?

Ach diese Linken! Sie wissen genau, wie es Frieden zwischen Ramallah und Tel Aviv geben kann und sie brüllen es heraus – in Düsseldorf und Frankfurt. Während die Einen schreien: „Straßenschlacht in Ramallah, die Panzer sind die Antifa“, brüllen die Anderen: „Intifada bis zum Sieg ...

Reinheitsverbot

Parallel sind immer die Anderen!

prager frühling stößt an: ein Prosit den Parallelgesellschaften! Schon klar, Integration fordert immer die Anderen. Deshalben sagen wir: "Erst wenn Efes sich ins deutsche Biersortiment eingegliedert hat und ein Hefeweizen anbietet, werdet ihr merken, dass man so etwas nicht trinken kann." Wie aber geht sozialistischer Antirassismus? Etienne Balibar, Nichi Vendola und viele andere versuchen sich in Antworten ...

Im Zweifel Dagegen!

Schwerpunktheft Dissidenz und ziviler Ungehorsam

Dissidenz und ziviler Ungehorsam sind die Hefe linker Politik. Kann Sie auch Schmiermittel des Kapitalismus sein? Wo schlägt Subversion in unpolitischen Abweichungsfetisch um? Unsere Autor_innen schauen nach, diskutieren und polemisieren.

com.munismus. komm!

Auf dem Weg zum Wissenskommunismus

Ist geistiges Eigentum Diebstahl? Stellen Raubkopien das Ergebnis von Aneignung oder eine besonders perfide Ausbeutung des Kreativproletariats dar? Darüber diskutieren in unserem Heft u.a. Michael Hardt, Cornelia Koppetsch, Sabine Nuss und Stefan Meretz. Digital Natives diskutieren die Implikationen der Digitalisierung von Demokratie ...

Crossover

Gegenmacht oder gegen Macht?

„Crossover“ ist der Versuch, eine Diskussion über politische Kooperation von sozialistischen, grünen und sozialdemokratischen Positionen in Gang zu setzen, deren Ergebnis hegemoniefähige progressive Reformprojekte werden sollen. So nahe liegend dies angesichts des Niedergangs der neoliberalen Ära ist, so blockiert ist diese Perspektive dennoch ...

Klimawandel und Gesellschaftsveränderung

System change not climate change!

Den politischen Gemütszustand unserer Welt beschreibt nichts besser als der alte Kalauer: „Öko? Logisch.“ Niemand schmunzelt mehr drüber, aber alle nehmen den Schenkelklopfer für sich in Anspruch. Dass alles irgendwie auch „öko“ sein müsse, also die Sache mit der Umwelt halt ein Problem sei, ist – logisch – Allgemeinplatz geworden ...

Die Linke und die Nation.

Hattu Nation, muttu entgrenzen

Die Linke und die Nation ist der Schwerpunkt der fünften Ausgabe des prager frühlings. Außerdem beschäftigen wir uns unter dem Motto "balkan beats" mit der Linken in Post-Jugoslawien. Mit dabei sind Thomas Seibert, Julia Bonk, Klaus Höpcke, Michel Albert, Christin Löchner, Lothar Bisky, Ringo Bischoff, Katja Kipping, Andreas Fischer-Lescano und die Band Ego-Tronic ...

Her mit dem schönen Leben!

Infrastruktursozialismus statt Hartz IV

Original sanktionsfrei: Weg mit Hartz IV! Her mit dem schönen Leben! Neben vielen investigativen und weniger investigativen Beiträgen zum Hartz IV-Regime, wollen wir Euch in dieser Ausgabe auch unseren Vorschlag vorstellen, dem Hartz IV-Regime die Forderung nach einem Infrastruktursozialismus entgegen zu setzen ...

Democracy against the machine

Radikaldemokratie statt FdGO

Februar 2009 erschien die dritte Ausgabe des prager frühling. Das Schwerpunktthema ist "Demokratie und Herrschaft" mit Beiträgen und Artikeln von Chantal Mouffe (University of Westminster, London), Jürgen Peters (IG Metall), Colin Crouch, Franziska Drohsel (Juso-Vorsitzende), die Gruppe Soziale Kämpfe, Sonja Buckel (Universität Frankfurt) und viele andere mehr ...

Auf der Suche nach der Ästhetik des Widerstandes

Alles Politur? Zum Verhältnis von Politik und Kultur

Mitte Oktober 2008 kam die zweite Ausgabe von prager frühling, dem neuem Magazin für Freiheit und Sozialismus. Das nächste Heft widmet sich schwerpunktmäßig dem Verhältnis von Politik und Kultur. Ziel der Redaktion ist es, politisches Engagement und Kultur einander näher zu bringen. Dabei geht es nicht um eine Kolonisierung des einen Bereichs durch den anderen ...

Neue Linke: Alles beim Alten?

NeuBegründung als Bruch nach vorn

Der Schwerpunkt der ersten Ausgabe des Magazins prager frühling heißt "Refound: NeuBegründung". Unsere Autorinnen erklären was der "Bruch nach vorn" ist. Mit dabei Frigga Haug, Thomas Seibert, Hans Jürgen Urban, Daniela Dahn und Michel Friedmann.

Sprungmarken: Zum Seitenanfang, Zur Navigation, Zum Inhalt.