Prager Frühling - Magazin für Freiheit und Sozialismus

Auf der Suche nach der Ästhetik des Widerstandes

Zweite Ausgabe von prager frühling zum Verhältnis von Politik und Kultur

Mitte Oktober 2008 kam die zweite Ausgabe von prager frühling, dem neuem Magazin für Freiheit und Sozialismus. Das nächste Heft widmet sich schwerpunktmäßig dem Verhältnis von Politik und Kultur. Ziel der Redaktion ist es, politisches Engagement und Kultur einander näher zu bringen. Dabei geht es nicht um eine Kolonisierung des einen Bereichs durch den anderen. Doch wie schrieb schon Heiner Müller so treffend: "Die Zeit der Kunst ist eine andere Zeit als die der Politik. Das berührt sich nur manchmal. Und wenn man Glück hat, entstehen Funken." Letztlich begibt sich prager frühling damit auch auf die Suche nach einer neuen Ästhetik des Widerstandes. Mit dabei: die Band Chumbawamba, der Kettcar-Sänger Marcus Wiebusch, die Schriftstellerin Juli Zeh, Chrinstina Kaindl, DJ Ipek, Christoph Spehr, Kai Burmeister und viele andere.

editorial
Liebe LeserInnen des prager frühling,
„revolution, baby!“ forderte das Cover unserer Mai-Ausgabe. Na klar, die radikale Umwälzung der bestehenden Macht- und Herrschaftsverhältnisse ist Ziel der Linken, ist auch Ziel dieser Zeitschrift. Weil uns also an deren Gelingen gelegen ist, wenden wir uns gegen die Tölpelhaftigkeit, sich revolutionäre Umbrüche als schnelles Schäferzugmatt der Guten gegen die Bösen um die Produktions- und Exekutivstätten vorzustellen. Text lesen
Inhaltsverzeichnis
Die Fundstücke bei unserer Suche nach der Ästhetik des Widerstandes Text lesen

Schwerpunkt

die schlangen der athene
„Die Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiss neu belebt
Am Anfang war das Bild — der für die Ewigkeit erstarrte Moment des Leidens und des Schreckens. Am Anfang war Laokoon, der im Todeskampf mit den von der Kriegsgöttin Athene gesandten Schlangen resigniert, und sein jüngerer Sohn, der im Würgegriff sein Leben schon aufgab. Doch dann war da noch das ältere Kind zu seiner Rechten, das den Moment des Todes durchbricht: Für den Schriftsteller Peter Weiss verkörpert angesichts des Untergangs dieser junge Mann in der Laokoon-Gruppe den überzeitlichen Moment der Hoffnung und Befreiung. Text lesen
Von Susanne Götze
nicht alles tun
Das Buch zur Ausstellung über Kunst und Ungehorsam
Mit Server und Software konnte das Künstlerduo Christoph Wachter und Mathias Jud die Zensur im Internet umgehen. Ihr Projekt picidae (lat.: Specht) basiert auf einem einfachen Verfahren: Texte werden in Bilder umgewandelt und können so von der Zensur nicht mehr erfasst werden. Ein vieldeutiges Beispiel für kritische Kunstpraxis: Mit Bildern, die nicht zu (er-)fassen sind, herrschaftliche Maßnahmen umgehen und damit unwirksam machen. Text lesen
Von Jens Kastner
selbstverständlichkeiten
Thesen der Redaktion zu progressiver Hegemonie
Sozialdemokratischer Reformismus und putschistische Revolutionsnostalgie haben sich dafür historisch als nicht tragfähig erwiesen. Deswegen arbeiten wir auf eine progressive Hegemonie hin. Eine solche Zielperspektive ist voraussetzungsvoll: Text lesen
jenseits von diktat und zynismus
Thesen der Redaktion zum Verhältnis von Kunst und Politik
.In seinem Roman „Ästhetik des Widerstands“ lässt Peter Weiss den Arzt Hodann sagen, Kunst sei gleichbedeutend mit Humanität, denn „ohne diese Anteilnahme am Leben, an diesem ständigen Kampf gegen die Selbstaufgabe, ohne diesen Drang, die Situation von immer wieder neuen Gesichtspunkten aus zu erhellen, ließe sich die weittragende Wirkung von Kunst nicht verstehen. Die Antworten der Kunst seien immer ungeheuerlich gewesen, denn als einzige wagten sie es, die Thesen der Zeit zu widerlegen, stets seien sie, auch im Schutz der Verkleidung, ihrer Gegenwart vorausgeeilt und hatten den Zerrbildern die Wahrheit entgegen gestellt.“ Text lesen
…sonst können wir einpacken
Juli Zeh über den Hauptwohnsitz der schreibenden Zunft und den Stellenwert von Datenschutz
Nicht alles tun
Das Buch zur Ausstellung über Kunst und Ungehorsam
Mit Server und Software konnte das Künstlerduo Christoph Wachter und Mathias Jud die Zensur im Internet umgehen. Ihr Projekt picidae (lat.: Specht) basiert auf einem einfachen Verfahren: Texte werden in Bilder umgewandelt und können so von der Zensur nicht mehr erfasst werden. Ein vieldeutiges Beispiel für kritische Kunstpraxis: Mit Bildern, die nicht zu (er-)fassen sind, herrschaftliche Maßnahmen umgehen und damit unwirksam machen. Text lesen
Von Jens Kastner
„Make radical ideas accessible, entertaining and popular“
Jude Abbott von Chumbawamba über Kultur und linker Politik
Die britische Band Chumbawamba gibt es seit den achtziger Jahren. Sie hatte große Hits, wie den Antifa-Song „Enough is enough“, der noch heute auf vielen Partys läuft, und natürlich „Tubthumping“ – das Lied zur Fussball WM 1998. Chumabawamba machen politische Musik mit politischen Texten und sind bekennende Linke. Auf ihrem neuen Album „The boy bands have won“ (2008, Westpark, Indigo) mischen sie Brecht-Zitate mit Songs über das Internet-Portal Facebook. Für prager frühling sprach Kolja Möller mit Bandmitglied Jude Abbott. Eine Übersetzung des Interviews ist auf der Homepage www.prager-fruehling-magazin.de abrufbar. Text lesen
Gefühl des Nicht-Einverstanden-Seins
Marcus Wiebusch, Sänger der Band „Kettcar“, im Interview mit prager frühling
„Die Trennung zwischen Kunst und Politischem ist absurd“
Portrait der politischen Künstlerin Betty Pabst
Die Fotografin Betty Pabst setzte sich in ihrer Abschlussarbeit „Arbeitstitel“ mit der Situation von MigrantInnen in postkolonialen Arbeitswelten auseinander und sorgte damit für rege Debatten an der Leipziger Kunsthochschule HGB. Der Anspruch, Kunst und Politik nicht als getrennt zu behandeln, sorgt also noch heute für Irritationen, trotz verschiedener Wellen „interventionistischer Kunst“ in den letzten Jahrzehnten. Text lesen
Von Boris Krumnow
Griffelspitzer und Studentenköppe?
Organische Intellektuelle und ihre Bedeutung für die Linke
Das Verhältnis zwischen Leuten, die sich viel mit Theorie beschäftigen und solchen, die sich als Praktiker verstehen, war in der Linken noch nie einfach. Das ist zunächst mal eine gute Sache: nur autoritäre Bewegungen brauchen sich um das Verhältnis von Theorie und Praxis, Analyse und Vermittlung, keine Sorgen zu machen, da sie als Verhältnis von Führung (im emphatischen, herrschaftlichen Sinne) und Geführten oft schon gesetzt ist. Text lesen
Von Christina Kaindl
Sand im Getriebe
Die deportation.class-Kampagne – ein Angriff auf die rassistische Hegemonie
15 Jahre ist es mittlerweile her, dass in Deutschland das Asylrecht faktisch abgeschafft wurde und seitdem Zehntausende jährlich abgeschoben werden. An der rassistischen und nationalistischen Debatte im Vorfeld der Grundgesetzänderung beteiligten sich nicht nur die überwiegende Anzahl der MedienvertreterInnen und PolitikerInnen – von Lafontaine bis Schäuble –, die Mehrheit der deutschen Bevölkerung ließ im nationalen Taumel der so genannten Wiedervereinigung ihrem Rassismus freien Lauf. Text lesen
Von Katja Grote
Neue Wege
Beispiele für digitale Protestkultur
Spätestens mit der Kampagne deportation.class wurde die Nutzung der so genannten neuen Medien in linken Kreisen en vogue. Heute ist linker Aktivismus nicht mehr denkbar ohne die neuen Wege des Medienaktivismus. Text lesen
Von Norbert Schepers
Von Bürzeln, Nanas und Gewehren
Revolution in der Kunst – Revolution in der Politik
Die Revolution begann mit einem Entenbürzel. 1961 stellte der bis dahin weitgehend unbekannte Roy Liechtenstein in Leo Castellis Wohnzimmergalerie in New York aus und präsentierte das erste seiner Comic-Bilder: „Look Mickey“, die großformatige Nachzeichnung einer Szene mit Micky Maus und Donald Duck, der beim Angeln seinen eigenen Hintern fängt. Damit brachte es die Pop Art zum Durchbruch. Text lesen
Von Christoph Spehr
An der Basis gibt’s Hausgemachtes
Bei einem Kreisverband der LINKEN
Wolkenloser Himmel. Manfred Kays blinzelt in die Sonne. Er wartet auf einen Genossen mit Auto. Unter ihm eine ausgetretene Sandsteinschwelle, über ihm der Balken eines alten Holztores. Vor ihm eine Haltestelle. Ein Bus kommt an. Es geht zum Einkaufen: Samstagvormittag wird die Innenstadt zur Shoppingmeile. Text lesen
Von Alexander Wallasch
Gretchenfrage
Was hältst du von … der kulturellen Praxis der Linken?
Es antworten: İpek İpekçioğlu (DJ Ipek), Luc Jochimsen (Kulturpolitikerin), Karin Zennig (aktiv in der Gruppe dissident), Walter Baier (Koordinator von transform), Kai Burmeister (IG Metall und SPD-Linker), älkä (freie Künstlerin) Text lesen

Europa

„Weiblich, jung, sucht...“
Rollen und Rollenbilder von ukrainischen Frauen
Gibt man bei google den Begriff Ukraine ein, trifft man vor allem auf ukrainische heiratswillige Frauen. Was präsentiert wird, sind süße, leicht überschminkte, sexy Püppchen, die nur eines wollen: einen Mann aus dem Westen heiraten, und sei es der letzte Trottel. Text lesen
Von Susanna Karawanskij
Sammlungsbewegung oder nationale Traditionsclubs?
Zum desaströsen Zustand europäischer Linksparteien
Die Kette der Niederlagen ist lang: So dezimierte sich das spanische Wahlbündnis Izquierda Unida von 21 Parlamentssitzen in 1996 auf 2 Mandate in 2008. Das gleiche Schicksal ereilte Frankreichs Kommunisten: Stimmten noch 1993 etwa 2,3 Millionen kommunistisch (9,2%), so halbierte sich dieser Anteil zu den Wahlen 2007 auf 1,1 Millionen. Die 15 Abgeordneten konnten keine eigene Fraktion mehr bilden. Text lesen
Von Jörg Schindler

Feminismus

nebensatzfeminismus
Gespräch über die feministische Politik der Partei DIE LINKE
Wird DIE LINKE ihrem feministischen Anspruch gerecht oder ist sie eine Männerpartei? Das wollte prager frühling von Sandra Beyer, Christine Buchholz und Caren Lay, drei Frauen, die in unterschiedlichen Zusammenhängen und mit unterschiedlicher Ausrichtung in der LINKEN aktiv sind, wissen und lud sie deshalb zum Gespräch. Text lesen
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