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21.06.2010:
Zwei Neuerscheinungen zur Geschichte der KPÖ
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Rezension: Walter Baier: Das kurze Jahrhundert. Kommunismus in Österreich. KPÖ 1918 bis 2008; Edition Steinbauer: Wien 2009. 22,50 EUR; Manfred Mugrauer (Hg.) 90 Jahre KPÖ. Studien zur Geschichte der KPÖ; Verl. A. Klahr Gesellschaft: Wien 2009, 15 EUR
Walter Baier legt mit seinem Buch eine umfangreiche Geschichte der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) von ihrer Gründung im November 1918 bis zur Gegenwart vor. Der 1954 geborene Baier war selbst lange Zeit in der KPÖ engagiert, er trat ihr schon als Jugendlicher bei und wirkte von 1994 bis 2006 als ihr Vorsitzender. Trotz seiner persönlichen Verwobenheit schafft Baier es, eine relativ undogmatische Sichtweise einzunehmen, die vor allem die Bedeutung des Stalinismus als Geißel der Linken deutlich herausstellt.

Bernd Hüttner
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13.06.2010:
Patriarchatskritisch und keine Selberfahrungsliteratur
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Rezension: Thomas Gesterkamp: Die neuen Väter zwischen Kind und Karriere, Verlag Barbara Budrich, Opladen & Farmington Hill 2010, 152 S., 12,90 EUR
Thomas Gesterkamp ist seit fast 20 Jahren einer der produktivsten und lesenswertesten Autor_innen im Feld einer nichtuniversitären und patriarchatskritischen Männer- und Väterliteratur. Sein neustes Buch, das sehr preiswert und offensichtlich eine Neuauflage ist, ohne dass erklärt wird, wo und wann diese Texte bereits publiziert wurden, enthält elf Beiträge und einen Serviceteil. Es hebt sich wohltuend von der von unbewussten Kastrationsängsten und Selbstironie gekennzeichneten Selbsterfahrungsliteratur ab, die derzeit die einschlägigen Regale dominiert.

Bernd Hüttner
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07.04.2010:
Erweiterte historische Traditonsbildung als Identitätsstütze?
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Rezension: DIE LINKE – Erbe und Tradition. Teil 1 & 2, Hg. von Klaus Kinner
Die voluminöse Neuerscheinung in der sogenannten „Roten Reihe“ zur „Geschichte des Kommunismus und Linkssozialismus“ zeigt die Probleme der Geschichtsarbeit im Umfeld der LINKEN eindringlich.

Bernd Hüttner
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22.02.2010:
Neuer Feminismus, neue Generation?
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Rezension: Anne Lenz, Laura Paetau: Feminismen und »Neue Politische Generation«, Westfälisches Dampfboot, 2009, 151 Seiten, 19,90 Euro
Die Autorinnen Anne Lenz und Laura Paetau fragen in ihrer gemeinsam verfassten Diplomarbeit Feminismen und »Neue Politische Generation« danach, was Feminist_in sein heute bedeutet. Dazu haben sie neun Aktivist_innen der Berliner Szene aus sechs verschiedenen Gruppen nach ihrem Politikverständnis, ihren Zielen, Schwerpunkten und ihrer Geschichte befragt. Die Datenauswertung dieser feministischen Praxis und Analyse erstreckt sich über so breit gefächerte Themen wie Identitätspolitik, Kinderkriegen, die Verbindung von Antisexismus und Feminismus sowie Intersektionalitätsdebatten. Drei dieser (anonymisierten) Interviews haben die Autorinnen intensiver analysiert, da sie die größte Spannweite innerhalb des Datenpools aufwiesen. So bietet Feminismen und “Neue Politische Generation“ einen Einblick in die politische Arbeit und das Selbstverständnis heutiger Feminist_innen.

Kirsten Achtelik
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22.02.2010:
Frauen, die sich bewegen: In „gleich, gleicher, ungleich“ zeichnet Christa Wichterich eine spezifische Landkarte von Frauen(rechts)bewegungen
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Christa Wichterich: Gleich, gleicher, ungleich: Paradoxien und Perspektiven von Frauenrechten in der Globalisierung, Verlag: Helmer, 2009, 240 Seiten, 19.00 Euro
Es ist paradox. Das mit den Frauenrechten: Deutsche Frauen sind zunehmend erwerbstätig, allerdings auf Teilzeitstellen. Weibliche migrantische Pflegekräfte übernehmen häusliche Pflegearbeiten, jedoch gegen ein geringeres Entgelt als im deutschen Pflegesektor üblich. Mikrokredite für die Ärmsten, mehrheitlich Frauen - eine sinnvolle Angelegenheit? Nur bedingt. Denn diese Kredite verdrängen Formen kollektiven Sparens und Frauen sind nur deshalb Hauptadressatinnen, weil sie das Geld mit größerer Wahrscheinlichkeit zurückzahlen. Häufig verschwinde die Politisierung der Geschlechter-, Klassen- oder Armutsfrage im ‚Windkanal des Marktzugangs’, so die Soziologin Christa Wichterich in ihrem Ende 2009 erschienenen Buch „gleich, gleicher, ungleich“.

Isabel Collien und Anne Lenz
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22.10.2009:
Verschollen im Bermuda-Dreieck der Zeitnot
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Rezension: Zeit für Beziehungen? Zeit und Zeitpolitik für Familien, Heitkötter u.a.
Nein, Zeit hat heute kaum jemand mehr. Unabhängig von sozialem Status, Geschlecht, Beruf und Einkommen leiden heute viele unter Zeitnot. Obwohl dieses Phänomen das Alltagshandeln dominiert, wird es im linken Diskurs kaum thematisiert. Dort ist immer noch unhinterfragt die Einkommensnot das wichtigere Thema...

Bernd Hüttner
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03.05.2009:
Laubenpieper-Sozialismus
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Rezension: Steffen Kludt, Am Ende des Fortschritts? „Sozialismus in den Farben der DDR“
Steffen Kludt bietet seinen LeserInnen ein Best-of der kultur- und mentalitätsgeschichtlichen Generationenforschung zur DDR. Seine zentrale These ist, dass die innere, schlussendlich im Zusammenspiel mit anderen Faktoren zum Untergang führende Krise der DDR auf einen „Clash der Generationen“ zurückzuführen ist. Hier lässt sich auch etwas über die Linkspartei lernen.

Bernd Hüttner
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08.04.2009:
Ein modernisierter Antiimperialismus
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Rezension: „Die deutsche Linke, der Zionismus und der Nahost-Konflikt“ von Jutta von Freyberg, Wolfgang Gehrcke und Harry Grünberg
Es gibt viele Konflikte auf der Erde. Doch keiner spaltet die gesellschaftliche Linke in Deutschland so sehr wie der Nahostkonflikt. Mit dem Buch „Die deutsche Linke, der Zionismus und der Nahost-Konflikt“ von Jutta von Freyberg, Wolfgang Gehrcke und Harry Grünberg, welches im April 2009 beim PapyrossaVerlag erscheint, liegt jetzt eine neue Problematisierung vor. Zwar verhehlen die AutorInnen nicht ihre Sympathien für antiimperialistische Positionen, gleichzeitig jedoch versuchen sie sich an einer „Erneuerung“ und sind bereit, Probleme des traditionellen Antiimperialismus anzuerkennen, um schließlich eine „Post-Zionistische Perspektive“ als friedenspolitischen Orientierungsrahmen für den Nahen Osten zu entwerfen.

Katja Kipping
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12.03.2009:
Man weiß, man wird beschissen, aber hat sich dabei wenigstens gut unterhalten
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Rezension: testcard, das Magazin für Popgeschichte #18 - „Regress“
In den 1990er Jahren entdeckte die radikale Linke „Kultur“ als Ausdruck von und als Mittel zur Dekonstruktion von hegemonialen Zuschreibungen. Viele wurden post-autonom, wenige andere FDP-Wähler. Die erste, weit größere Gruppe entdeckte, dass der Kapitalismus nicht nur grau, repressiv und langweilig war - heute ist diese Erkenntnis kalter Kaffee. Eine Hilfe um die Zeit der Klärung zu überstehen, ist testcard, das Magazin für Popgeschichte.

Bernd Hüttner
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05.12.2008:
Beiträge zur Konfliktualität des Sozialen
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Rezension: Gruppe Blauer Montag, Risse im Putz (Hamburg 2008)
Die Hamburger Gruppe „Blauer Montag“ hilft der tendenziell schlampigen Linken bei Problemen mit ihrer Ablage, zumal sie der aussterbenden Spezies der politischen Gruppen angehört, die über keine Internetpräsenz verfügen. Sie hat jetzt diejenigen ihrer Texte aus den letzten 15 Jahren in einem Buch zusammengestellt, die ihrer Ansicht nach „für die Diskussion um Arbeit, Nichtarbeit, Sozialstaat und Klassenkampf aktuell von Bedeutung sein können“.

Bernd Hüttner
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18.11.2008:
Global Labor History reloaded
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Rezension: Marcel van der Linden, Workers of the World (Leiden 2008)
Marcel van der Linden ist Forschungsdirektor am renommierten Amsterdamer Internationalen Institut für Sozialgeschichte und einer der aktivsten Organisatoren und Forscher der "Global Labor History". Nun hat er erneut eine Monographie vorgelegt, unter dem pathetischen und an die amerikanischen Wobblies angelehnten Titel "Workers of the World".
Van der Linden geht es in seinen Aktivitäten um eine Erneuerung und Erweiterung der Arbeitergeschichtsschreibung.

Bernd Hüttner
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04.11.2008:
Teamwork und Selbstkontrolle lösten die Überwachung durch die Vorgesetzten ab
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Rezension: Arndt Neumann, Kleine geile Firmen (Hamburg 2008)
Der Hamburger Historiker und Euromayday-Aktivist Arndt Neumann untersucht in seinem Buch, inwieweit die historische Alternativbewegung im westdeutschen „Modell Deutschland“ der 1970er und 1980er Jahre ein Wegbereiter des Neoliberalismus war.

Bernd Hüttner
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25.09.2008:
Einen Raum zu schaffen, indem wir alle atmen können
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Rezension: Pierangelo Maset, Laura oder die Tücken der Kunst (Berlin 2007)
Es ist schon erstaunlich wie unterschiedlich LeserInnen belletristische Werke interpretieren. Die Erkenntnis kann in vollständige Irritation umschlagen, wenn man nach dem eigenen Lesen die Kritiken der etablierten Zeitschriften liest. So ging es mir jedenfalls mit Pierangelo Masets Roman „Laura oder die Tücken der Kunst“.

Katharina Köpping