Prager Frühling - Magazin für Freiheit und Sozialismus

Redaktionsblog

  • Redaktion, 1. März 2010, 11:00

    Fünf Vorschläge reiten den Tiger

    Was tun gegen das "eherne Gesetz der Oligarchie"?

    Der Soziologe Robert Michels entdeckte schon 1911 in seiner „Soziologie des Parteiwesens“ einen Charakterzug moderner Parteien: Das „eherne Gesetz der Oligarchie“. Eine zahlenmäßig nicht unansehnliche Kaste von Berufspolitikern, Mitarbeitern und Mulitfunktionären bestimmt den politischen Willensbildungsprozess in den parteipolitischen Massenorganisationen. Die traurige Wahrheit lautet: So läuft der Laden. Der Politikwissenschaftler Franz Walter beschreibt diese Kaste durchaus anschaulich als „politische Söldner“.

    Alle Versuche das „eherne Gesetz der Oligarchie“ zu unterlaufen sind kläglich gescheitert. Selbst innerhalb der neu gegründeten Partei DIE LINKE wird zwar die Mitgliederbeteiligung und die Kritik an der etablierten Politik groß geschrieben, faktisch funktioniert die Partei allerdings wie jede andere Partei auch.

    Kolja Möller und Jörg Schindler widmen sich in Ihrem Beitrag Fünf Vorschläge für eine demokratische Partei" diesem Problem.

    Alban Werner ergänzt und kritisiert in seiner Erwiderung diese Vorschläge und meint: "Den Tiger reiten!"

    Viel Spaß und Anregung beim Lesen.

  • Corinna Genschel, 24. Februar 2010, 23:00

    Feministische Perspektiven.

    Zwei Rezensionen in der Lesbar.

    Welche Handlungsfelder und Möglichkeiten haben Feministinnen heute, wo liegen feministische Herausforderungen und Perspektiven? Zwei spannende neue Bücher werfen einen genaueren Blick auf die „neue Generation“ von Feministinnen in Deutschland (Lenz/Paetau) und die Globalisierung der Frauenbewegungen (Wichterich): Deutlich wird in sehr unterschiedlicher Weise, Widersprüche in den Geschlechterverhältnissen erfordern gerade jetzt feministische Antworten, bei denen es nicht nur um die Gleichstellung geht, sondern um die Veränderung gesellschaftlicher Spielregeln und Machtstrukturen, um Emanzipation, um Freiheit von Gewalt, um soziale Gerechtigkeit.

    Der prager frühling hat beide Bücher rezensiert

    Christa Wichterich: Gleich, gleicher, ungleich: Paradoxien und Perspektiven von Frauenrechten in der Globalisierung, Verlag: Helmer, 2009, 240 Seiten, 19.00 Euro

    Anne Lenz, Laura Paetau: Feminismen und »Neue Politische Generation«, Westfälisches Dampfboot, 2009, 151 Seiten, 19,90 Euro


  • Lena Kreck, 16. Februar 2010, 20:00

    Für einen Red Green Deal!

    Diskussionsveranstaltung am 23. Feb 2010 in Berlin

    Über Perspektiven für Klimagerechtigkeit diskutieren Katja Kipping, Hermann Scheer, Bernd Brouns und Susanne Götze.

    Der Klimagipfel in Kopenhagen ließ fragende Gesichter zurück – diesseits und jenseits der Polizeiabsperrungen, der Parlamente, der westlichen Industriewelt. Öko ist irgendwie logisch, aber bei diesem Allgemeinplatz bleibt es dann oft genug.
    Die Redaktion des Magazins prager frühling schlägt einen "Red Green Deal" vor, es diskutieren Hermann Scheer, Bernd Brouns und Katja Kipping, Moderation: Susanne Götze.

    Dienstag, 23.02.10, um 19.30 Uhr
    Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin, Robert-Havemann-Saal


    Katja Kipping ist Redakteurin des Magazins »prager frühling«, Mitglied des Bundestages und stellv. Vorsitzende der Partei DIE LINKE. Gemeinsam mit Andrea Ypsilanti, Sven Gigold, Thomas Seibert, Sonja Buckel, Stephan Lessenich sowie Hermann Scheer u.a. gründete sie kürzlich das „Institut Solidarische Moderne“.

    Hermann Scheer ist bekannt durch seinen enormen Einsatz für erneuerbare Energien, für den er den alternativen Nobelpreis erhielt. Er ist Mitglied der SPD und seit 1980 Mitglied des Deutschen Bundestages. Im Vorfeld der Landtagswahl in Hessen 2008 gehörte er zu dem Schattenkabinett Andrea Ypsilantis als designierter Wirtschafts- und Umweltminister. Von ihm erschienen viele Bücher u.a. „Die Politiker“ (München 2003) und „Energieautonomie. Eine neue Politik für erneuerbare Energien“ (München 2005).

    Bernd Brouns ist Aktivist bei der Gruppe gegenstrom berlin und arbeitet bei der Bundestagsfraktion DIE LINKE als Referent für Energie- und Umweltpolitik.

    Susanne Götze arbeitet als freie Journalistin und ist weltweit in Sachen Klimaschutz unterwegs, zuletzt in Kopenhagen.

    Veranstalter:
    Freundinnen und Freunde des Prager Frühlings e.V.
    c/o RA Schindler, Fischerinsel 10, 10179 Berlin
    Mail: vorstand@prager-fruehling.org
    Web: www.prager-fruehling.org


  • Redaktion, 28. Januar 2010, 12:00

    System change not climate change!

    prager frühling 06 kommt am 15. Februar

    Den politischen Gemütszustand unserer Welt beschreibt nichts besser als der alte Kalauer: „Öko? Logisch.“ Niemand schmunzelt mehr drüber, aber alle nehmen den Schenkelklopfer für sich in Anspruch. Dass alles irgendwie auch „öko“ sein müsse, also die Sache mit der Umwelt halt ein Problem sei, ist – logisch – Allgemeinplatz geworden. Trotzdem stellen sich tausend Fragen, und zwar sowohl bei denen „da unten“ wie auch jenen „da oben“. Der Klimagipfel in Kopenhagen ließ fragende Gesichter zurück – diesseits und jenseits der Polizeiabsperrungen, diesseits und jenseits der Parlamente, diesseits und jenseits der westlichen Industriewelt...

    Die kommende Ausgabe des prager frühling Magazins will die Debatten ein Stück weiter tragen:

    Im warmen Polar – System change not climate change

    Im Wasser warten schon Tuvalu, Hermann Scheer, Nicole Maisch, Ulrich Beck, Malaysia, Eva Bulling-Schröter, Mona Bricke, New Orleans, Mario Candeias, Bärbel Höhn, Ilka Schröder, Holland und irgendein weiteres Land, das untergehen wird.

    Sowie:

    Keine EisbärIn sein – Zweigeschlechtlichkeit ins ewige Eis!

    Beiträge dazu von Corinna Genschel, Christian Schenk und Juana Remus.


  • Lena Kreck, 27. Januar 2010, 00:00

    Hey, baby, I’m a rockstar!

    10 Jahre attac - prager frühling gratuliert.

    Viel Liebe zum Geburtstag, attac, du schrullige alte Dame (sofern man dies über eine Zehnjährige sagen kann)! Denn seien wir mal ehrlich, gar so schillernd bist du gerade nicht. Einst warst du die Grand Dame im globalisierungskritischen Spektrum. Du hast es nach den für die Linke doch irgendwie ganz schön kargen 90er Jahren hinbekommen, dass wir uns trauten, das Wort „neue soziale Bewegung“ in den Mund zu nehmen.

    In dir einten sich Organisierte und Unorganisierte, Utopist_innen, Dogmatiker_innen und Pragmatiker_innen, Junge und Alte, Männer und doch auch einige Frauen. Sie fanden zusammen, weil sie die Idee eines regulierten Finanzmarktes als zumindest kurzfristige Notwendigkeit teilten. Das war schon ziemlich geil. Endlich nicht mehr nur defensiv sein, endlich wieder laut, deutlich und wahrgenommen Forderungen aussprechen können. Wie lehrreich war es auch, sich dem mühevollen Prozess der basisdemokratischen Entscheidungsfindung zu stellen.

    Irgendwie gab es dann aber einen Knick. Es mag daran gelegen haben, dass sich mit der Partei DIE LINKE ein neues Projekt auf den Weg gemacht hat, das vielen gerade auch in seiner Parteiförmigkeit gefehlt hat. Es ist aber auch nicht ganz auszuschließen, dass dir all das Bunte, Vielfältige ein wenig zum Verhängnis wurde. Denn kam es dir nicht auch so vor, dass die Forderung nach der Regulierung der Finanzmärkte mehr und mehr zwischen all den Grundeinkommens-, Antiprivatisierungs- und friedenspolitischen Projekten verloren ging? Hattest du nicht auch manchmal das Gefühl, dass du mit einem großen Bauchladen durch das Land spaziertest und jede und jeder sich herausnehmen konnte, was ihr oder ihm schmeckte? Wenn man sich beim Italiener nicht festlegen möchte, bestellt man Tagliatelle alla Casa. Da ist von allem das Beste drin. Manchmal reicht aber einfach eine Pizza Salami. Da weiß man, was man hat.

    Ich wünsche dir mindestens für die nächsten zehn Jahre, dass du deinen Pluralismus nicht aufgibst, dich doch gleichermaßen inhaltlich wieder etwas konzentrierst. Mach es wie Rihanna, singe „Hey, baby, I’m a rockstar!“ und besinne dich deiner Anfänge. Du bist internationalistisch, weißt, was dich am Neoliberalismus ankotzt und im besten Sinne realpolitisch. Darauf hoch die Tassen!

    (erschienen in der aktuellen "analyse & kritik")

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