Prager Frühling - Magazin für Freiheit und Sozialismus

Redaktionsblog

  • Kolja Möller, 9. Dezember 2008, 21:00

    Griechenland.

    Nur Krawall?

    Die Medien berichten derzeit ausführlich über Ausschreitungen in Griechenland, die wahlweise auf "Randalierer", "Jugendliche" oder "Krawallmacher" zurückgeführt werden. Tatsächlich entlädt sich eine gesellschaftspolitische Krise, der Unmut über die repressive Politik der konservativen Regierung und die Brutalität der griechischen Polizei. Es wird also auch gestreikt, diskutiert, blockiert usw... Aus aktuellem Anlass dokumentieren wir die Erklärungen des griechischen Sozialforums und der Jugendorganisation der Linkspartei Synaspismos:

    GREEK SOCIAL FORUM
    DOWN WITH THE GOVERNMENT OF MURDERERS
    15 year old pupil shot dead by policeman

    Rage and mobiliation all over the country for the cold blooded assassination by a firearm bullet in the stomach of the 15year old school boy, by a policeman, on Saturday 6th of Dec. 9 p.m. This is the extreme expression of police brutality spreading in the last few years accross mobilisations of any description, of students, workers, migratns, peasants, women, antifascist, ecological movements.
    As from Saturday night mobilisations spread all over the country, from Crete in the South to upper northern cities, especially aroung universities, attacking police stations and banks.
    The Greek Social Forum participated massively in the Sunday midday demonstration in Athens, of about 20.000, called at a few hours notice by left wing organisations and parties, which was soaked in chemicals and teargas in quantities heavier than ever in the last few years. It also participated in all the cities in mobilisation.
    School pupils have been demonstrating everywhere today Monday, in the centre of the cities and in neighbourhoods, mainly by encircling police stations and dropping books and pencils in a symbilic disobedience move against the repression forces.
    A general closure of all grades of education for tomorrow, Tuesday, has been announced by pupils-students and trades unions and a big mobilisation. At 6 o’clock today, Monday, the Greek Social Forum together with left wing organisations and parties organise a radical protest expected massive and disobedient. We opt for disobedience and not for indiscriminate smashing of property, as some antiauthoritarian forces do.
    On Wednesday there is a general strike by the General Confederation of Labour, organised independently and before the assassination against the government policies, and the workers are called to take part in it massively, as well as in the rallies of the unions. The rallies will be followed by marches, despite the shameful announcement of the Trades Unions Leadership that they do not sanction marches for the fear of “trouble makers” and damage of property.
    The government of austerity measures, of complicity in land development of huge proportions in collaboration with some Holy Mountain monasteries, of selling-off everyghing in the land (from ports and aircompanies to telecommunications and public education) must be overthrown by this huge movement of people’s rage. Greek communities in Europe are carrying out activities of protest outside Greek consular authorities. We consider this movement in Greece to be a part of all European povements, thus we ask the comrades everywhere to find ways to allign their forces with us.

    The Greek Social Forum
    Monday 8-12-08

    Neolaia Synaspismou (the Youth of Synaspismos)

    The State is killing. We have to stop them!
    The assassination of a 15-year-old today in Exarhia square, demonstrates in the most extreme way the criminal face of the Greek police and the government of Nea Dimokratia. The government is the one that armed the hands of the killer policeman and hold all the
    political responsibility of the murder.
    For years when the Greek police was left unregulated and uncontrolled for capturing and torturing students, workers and immigrants, when in any demonstration we are faced with the most brutal violence and state authoritarianism when incidents such as "jardiniere" remain unpunished, today murder can only be seen as a premeditated crime, and the guilty are the Greek state governments of N.D and PASOK.

    Enough!
    If some think we will be afraid to walk on the street, with the risk to get any bullet they are mistaken. Our response to authoritarianism and repression will come through the mass struggles of youth and workers, through our collective resistance to the authoritarian government, in defending and expanding the rights and freedoms of all of us.




  • Norbert Schepers, 8. Dezember 2008, 11:00

    Green New Deal

    Gegen einen grünen Kapitalismus!

    Der "Klimawandel" wird auch in 2009 weiter und zunehmend Gegenstand linker Politik sein. Hoffentlich jedenfalls, denn aus linker Sicht muss gelten: Klimapolitik ist Sozialpolitik und die Frage nach globaler Gerechtigkeit.Das öffentlich kaum mehr bestrittene Fortschreiten der ökologischen Krise (mit seinen prominentesten Ausdrucksformen Klimawandel und Energieverknappung) fällt nun zusammen mit der aktuellen ökonomischen Krise und der politischen Defensive des neoliberalen Projekts.

    Nun ist die Frage nach einem "Green New Deal" in den Focus öffentlicher Aufmerksamkeit gerückt: Es ist derzeit das einzige globale Projekt seitens der Eliten, welches diese Krisenerscheinungen zugleich anzugehen verspricht. Vor allem Debatten in den USA legen nahe, dass es hierfür gesellschaftliche Mehrheiten geben könnte.

    Beim Green New Deal geht es um eine erneuerte ökologische Modernisierung des Kapitalismus, nachdem der Diskurs um Nachhaltige Entwicklung der letzten 20 Jahre auch aus Sicht der Eliten als gescheitert angesehen werden kann, insbesondere insofern dieser nicht in der Lage war, global effektive Ressourcenmanagementregimes zu etablieren.

    Die beiden Klima-Aktivisten Tadzio Müller und Alexis Passadakis analysieren diese Entwicklungen in ihren "20 Thesen gegen den grünen Kapitalismus" (auf dieser Website in der LesBar) und plädieren für "global vernetzte soziale Bewegungen für Klimagerechtigkeit".
    Was bringt der Green New Deal?
    Foto: Shepard Fairey, obeygiant.com

  • Jörg Schindler, 5. Dezember 2008, 08:00

    Volkskammer US-Kongress, Sowjet Bundestag.

    Die aktuelle Krise bestätigt die Stamokap-Theorie Volume II.

    In einem früheren Blog habe ich darauf hingewiesen, dass die aktuelle Krise die Stamokap-Theorie bestätige. Die folgende Meldung zeigt exemplarisch den Widerspruch zwischen Konkurrenz und den Erfordernissen einer modernen Industrieproduktion. Wann endlich fordert die Linke eine Fusion der Autokonzerne unter internationaler Kontrolle, quasi ein PKW-Bretton-Woods? Die Ängstlichen und die Ökologischen unter den Linken könnten dies ja auch zur öffentlichen Daseinsvorsorge erklären. Immerhin könnte ein fusionierter Welt-PKW-Konzern im öffentlichen Eigentum auch die Mobilitäts- und Umweltproblematik des Individualverkehrs versuchen zu lösen.

    Hier jedenfalls die Reuters-Meldung:

    "Die US-Autobauer General Motors(GM) und Chrysler würden auf Wunsch des US-Kongresses fusionieren. Man würde dem Zusammenschluss mit GM zustimmen, wenn man im Gegenzug staatliche Finanzhilfen bekomme, sagte Chrysler-Chef Robert Nardelli am Donnerstag in der Anhörung vor dem Kongress in Washington. GM-Chef Rick Wagoner erklärte, durch eine Übernahme seien "signifikante Kosteneinsparungen" zu erzielen. Nardelli bezifferte das Einsparpotenzial auf acht bis zehn Milliarden. Zuvor hatte der republikanische Senator Robert Bennett erklärt, eine Hochzeit der beiden Unternehmen würde Sinn machen. Beide Unternehmen hatten im September und Oktober über einen Zusammenschluss gesprochen."


  • Norbert Schepers, 29. November 2008, 11:00

    Advent, Advent

    Der linke Wunschzettel

    Pünktlich zum 1. Advent erreichte die Redaktion ein Wunschzettel der besonderen Art von Christoph Spehr und der liest sich so: "Lieber Weihnachtsmann, ich wünsche mir eine Linke. So eine wie Greta sie hat, nur nicht so schlecht gelaunt und ein bisschen moderner. Eine, die man überall hin mitnehmen kann, auch zu ganz normalen Puppen, nicht bloß zu anderen Linken. ..."

    Der Text findet sich in der LesBar.
    Christoph Spehr, Landessprecher DIE LINKE. Bremen
    Foto: Norbert Schepers

  • Jörg Schindler, 19. November 2008, 18:00

    VEB Opel, PGH Fiat, Kombinat Siemens

    Die aktuelle Krise bestätigt die Stamokap-Theorie.

    Opel braucht 1,8 Milliarden vom Staat. Warum? Weil die Tochter des GM-Konzerns mit der amerikanischen Mutter finanziell und auch in den Investitionsentscheidungen so eng verflochten sei, dass die Krise der US-amerikanischen GM-Marken Chevrolet, Buick, Cadillac, Pontiac und GMC die europäische Tochter in Schwierigkeiten bringe, erfährt man aus der FAZ.

    Tatsache ist: Nicht nur diese Marken, sondern auch Saab, Suzuki, Daewoo und Vauxhall sind Teil des weltweiten GM-Konzerns. Letztlich dürften auch diese Marken von der Liquidität und Investitionsfähigkeit von GM abhängen. Wenn dem so ist, bedeutet das aber auch, dass der weltweite PKW-Herstellermarkt entgegen aller neoliberalen Quatsch-Comedy bereits seit langem Investitionsentscheidungen nicht in Konkurrenz, sondern vielmehr in Kooperation der Tochtermarken unter dem GM-Dach trifft. Was ja nicht schlecht sein muss. Und darauf verweist, dass die Rate des notwendigen konstanten Kapitals für technische Neuentwicklungen so hoch ist, dass sie nur in weltweiter Kooperation, nicht aber in Konkurrenz der Einzelkapitale überhaupt zu stemmen ist. Womit wir also bei dem Problem sind, welches die ollen MarxistInnen immer als Widerspruch zwischen notwendig gesellschaftlichem Charakter der Produktion einerseits und privater Aneignung der Ergebnisse der Produktion andererseits beschreiben.

    Sozialistische Reformpolitik hatte in den 70er Jahren hieraus die Theorie des Staatsmonopolistischen Kapitalismus ("Stamokap") entwickelt. Danach sollte folgendes gelten:

    1. Im Stamokap existieren in jeder Branche eine kleine Anzahl großer Konzerne, die branchenbeherrschend sind. Diese Großunternehmen stehen einerseits in Konkurrenz, aber auch in Kooperation zueinander und verfügen über eine immense Marktmacht. Wegen ihrer Größe und Marktbeherrschung sind sie rentabler und innovativer als kleinere Unternehmen. Kapital und Produktion konzentriert sich also bei den Großbetrieben, verbunden mit den Geldgebern, den Banken.

    2. Die Monopolisierung bewirkt staatliche Eingriffe in die kapitalistische Produktionsweise, vor allem durch staatliche Steuerpolitik, Subventionen, Investitionen, Verteilungspolitik, Sozialtransfers etc. Durch diese staatlichen Einflüsse wird der Grundwiderspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privatkapitalistischer Aneignung entschärft. Denn der wissenschaftlich-technische Fortschritt macht staatliche Ausgaben erforderlich, um kostenintensive, produktivitätssteigernde Investitionen der Großunternehmen zu ermöglichen und über staatliche Nachfragepolitik für eine Kompensation des Rückgangs der Binnennachfrage zu sorgen, der mit der monopolistischen Aneignung gesellschaftlichen Reichtums verbunden ist.

    3. Der ökonomische Einfluss der Großunternehmen wirkt in die Politik massiv hinein. Über Lobbyismus und personellen Verquickungen lenken die Konzerne die Richtung und Maßnahmen der Politik zugunsten ihrer Interessen. Letztlich ist der Staat ideeller Gesamtkapitalist im Dienste der Monopole.

    4. Der hohe Grad gesellschaftlicher, wenngleich monopolisierter Produktion im Stamokap weist neben immensem Krisenpotenzial auch sozialistische Potenziale auf. Es kommt darauf an, die Produktion unter gesellschaftliche Kontrolle zu stellen, also Betriebe wie auch Staat zu demokratisieren. Die Richtung und das Wie der staatlichen Eingriffe ist also im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung, vor allem der Erwerbstätigen, umzulenken.

    vom nationalen zum internationalen Stamokap
    In den 70er Jahren erlebten wir einen nationalen Stamokap. Die internationale Verflechtung der Konzerne und Märkte machte ihm am Ende den Garaus, da eine supranationale Regulation nicht möglich war. Der Gau der Märkte nach 20 Jahren internationalen Neoliberalismus erzwingen aber eine Rückkehr, die gleichzeitig eine neue Form der Regulation darstellt: den internationalen Staatsmonopolistischen Kapitalismus. Denn klar ist - und auch die Regierungen der Industrieländer wissen das -: Es macht gar keinen Sinn, ein einzelnes Unternehmen, ob Opel, Microsoft, Vattenfall oder sonstwen, staatlich zu stützen. Die Verflechtungen bedeuten immer auch den Eingriff in die anderen, internationalen Tentakel des Konzerns. Und: Die Eingriffe in ein einzelnes Unternehmen bringt das Marktgefüge so durcheinander, dass von einem realen Marktgeschehen nicht mehr gesprochen werden kann. Vielmehr machen diese Eingriffe in Unternehmen und den Markt weitere Rahmenplanungen erforderlich, soll das eingespeiste Geld nicht nutzlos verpuffen. Letztendlich stellt sich also durch die Krise durchaus auch die Frage, ob Opel, Microsoft und Vattenfall nicht gleich direkt Teil gesellschaftlicher Rahmensteuerung sein soll. VEB Opel, PGH Fiat, Kombinat Siemens - nicht als DDR-Revival, sondern Gebot makroökonomischer Vernunft.

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