Prager Frühling, Magazin für Freiheit und Sozialismus (www.prager-fruehling-magazin.de)

The King is dead, long live the King!

Nicht nur Ken Loach ist Looking for Eric

Laszlo Strzoda

Im 2009 erschienen Film „Looking for Eric“ des englischen Regisseurs und bekennendem Sozialisten Ken Loach geht es vordergründig um die Beziehung zwischen Fußballstar Éric Cantona und einem seiner größten Fans, Eric Bishop. Der Film zeigt in der Eröffnungsszene wie Eric Bishop als Geisterfahrer durch einen Kreisverkehr rast und einen Unfall provoziert, der ihn ins Krankenhaus befördert. Bishop steckt in einer schweren Lebenskrise, die sich in Form einer handfesten Depression ausdrückt. Eric ist eigentlich alles egal oder zumindest zu viel, um sich in irgendeiner Art aufzuraffen. Grund dafür sind seine missglückten Liebesbeziehungen und das schwierige Verhältnis zu seinen Kindern, sowohl aus erster als auch zweiter Ehe. Auf der Arbeit zeichnet sich ein ähnliches Bild. Eric, der als Postbote arbeitet, liefert seine Briefe nicht aus und wird von seinen Freunden dabei ertappt. Things fell apart. Sein ältester Stiefsohn gerät in kriminelle Machenschaften, während der Jüngere mit seinen Kumpels nur noch vor dem Fernseher oder wahlweise Computer hängt. Das Haus sieht aus wie das Verhältnis zu seinen Mitmenschen: vernachlässigt, dreckig und leicht verwahrlost. In einem Anflug von Überforderung schnappt sich Eric das Gras seines Sohnes und schließt sich in seinem Zimmer ein, um der Welt da draußen für einige Minuten zu entkommen. Eric Bishop, der glühender Fußballfan von Manchester United ist, spricht zu seinem lebensgroßen Poster von Eric Cantona und fragt ihn, ob er sich jemals in einer ähnlichen Situation befunden hätte. Er erhält eine Gegenfrage, von niemand geringerem als seinem Idol persönlich, der plötzlich hinter ihm auf einem Sessel sitzt.

King Eric Cantona

Kritik an Autoritäten

Wer ist dieser Éric Cantona eigentlich? Der Film zeigt in mehreren Sequenzen die schönsten Tore des legendären Mittelstürmers. Die Manchester Fans huldigen dem exzentrischen Cantona mit Fangesängen, in denen er mit keinem geringeren als Jesus gleichgesetzt wird. Er verlieh der Mannschaft Anfang der neunziger Jahre den Esprit des technisch betonten Fußballspiels aus Südeuropa, gepaart mit einer unglaublichen Physis und Durchsetzungskraft. Durch seine Fähigkeiten war er mit verantwortlich für den Umbruch Manchester Uniteds zur Spitzenmannschaft und nicht zuletzt des englischen Fußballs, der bis zum Beginn der Neunziger geprägt war von langen Bällen, Nieselregen und Grätschen auf Hüfthöhe (wer sich versichern möchte, kann mal Vinnie Jones bei YouTube eingeben). Doch Cantona wurde nicht nur zur Ikone aufgrund seiner fußballerischen Fähigkeiten. Cantona war bekannt für sein gespanntes Verhältnis zu Autoritäten. Auf dem Platz betraf das meist die Zunft der Schiedsrichter, dank derer er mehrfach früher duschen gehen durfte — nach meist wüsten und üblen Beleidigung seinerseits. Hinter verschlossenen Türen verscherzte es sich Cantona gerne mit seinen Trainern oder Funktionären der Clubs. Es kostete dieses Ausnahmetalent eine angemessene Karriere in der Nationalmannschaft, wo er über die Rolle des Ergänzungsspielers nie wirklich hinaus kam. Rückwirkend darauf angesprochen, verweisen Verantwortliche immer wieder auf Cantonas fehlenden Folgsamkeit.

Die Szene, die ihn außerhalb der Fußballfangemeinde berühmt machte und auch für den Film von zentraler Bedeutung ist, obwohl sie nicht gezeigt wird, trug sich am 25. Januar 1995 zu. Im Spiel gegen Crystal Palace wird Cantona aufgrund eines rüden Fouls vom Platz gestellt. Auf dem Weg zum Spielertunnel wird er von einem Fan, der in der ersten Reihe steht, beleidigt. Cantona fackelt nicht lange und tritt eben diesen Fan mit einem beherzten Sprung um und lässt noch eine Gerade folgen. Im Nachgang erzählt der Fußballprofi, er sei rassistisch beleidigt worden. In England ist diese Szene nur als „The Kung-Fu Incident“ bekannt. Nach einer achtmonatigen Sperre (bis heute Rekord für eine vergleichbare Aktion, lediglich Doping wurde bisher schwerer geahndet) hält er eine bis heute legendäre Pressekonferenz vor einer Meute aus Boulevard- Journalisten. Cantona spricht zwei Sätze: „Möwen folgen Trawlern, weil sie glauben, dass sie die Sardinen ins Meer werfen. Vielen Dank.“[1] Cantona steht auf und verlässt den Raum. Als wäre es unmöglich die Person Cantona in einem Satz zu beschreiben, steht diese Szene für alles was er ist: Stur, widerspenstig, aber auch widerständig, gepaart mit einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen und einem feinen Sinn für Ironie. Die Pressekonferenz machte ihn unsterblich, nicht nur für seine Fans bei Manchester United, sondern auch beim Rest der Fußballgemeinde. Denn Cantona verband zwei Dinge, die selten so zusammenkommen. Sein äußeres Erscheinungsbild steht dafür sinnbildlich: Von der Statur entspricht er dem Typ Hafenarbeiter, der in Marseille geboren wurde und aufwuchs. Sein Bart wirkt zwar gepflegt, aber doch wild im Wuchs. Sieht man Cantona heute bei öffentlichen Auftritten so wirkt er distinguiert und doch bricht dieses Bild oftmals mit dem ersten Satz, den er spricht. Denn Cantona spricht mehr Slang als Französisch. Heute ist er der Holzfäller im Nadelstreifen. Ein erfolgreicher Profifußballer, der als Anwalt der kleinen Leute auftritt, die den millionenschweren Star dafür anhimmeln. Warum ist das wichtig für die Geschichte von Eric Bishop?

Konfrontationspsychologie

Cantona verkörpert wie kaum eine andere Person im Profisport, in der der Fußball in seiner religiösen Form auch nochmal eine Ausnahme darstellt, die Verbindung von Komplexität und Einfachheit. Von Establishment und Anti- Establishment. Für Eric Bishop erscheint Cantona in seiner schwärzesten Stunde. Während seine Freunde versuchen in Form von Selbsthilfeliteratur der Depression Erics Herr zu werden, wählt die Erscheinung Cantona die Variante Konfrontationspsychologie. Eric muss sich zunächst seinen Probleme stellen und diese angehen. Das heißt konkret sich bei seiner großen Liebe Lily, die er vor dreißig Jahren mit seinem ersten Kind sitzen ließ, zu entschuldigen. Wie im echten Leben ist Cantona kein Mann der vielen Worte und belässt es oft dabei, recht klare Anweisungen an seinen Schützling zu geben. Die lähmende Trägheit Erics bricht so peu à peu auf und es gelingt ihm sich für einen Moment zu befreien. Doch die Versäumnisse der Vergangenheit holen Eric in der Gegenwart ein. Die Beziehungen seines ältesten Sohnes Ryan zum organisierten Verbrechen werden ihm zum Verhängnis und lassen die Polizei in das Versöhnungsdinner mit Lily und der gemeinsamen Tochter Sam stürmen. Bei den Befragungen der Polizei verrät Eric seinen Sohn nicht aus Angst, dass der jüngere der beiden von den Gangstern entführt und im schlimmsten Fall ermordet werde. Nach Rücksprache mit Cantona entschließt Eric Bishop seine Freunde in die Machenschaften seines Sohnes einzuweihen und bittet um Hilfe. Letztlich stürmen drei Busladungen Manchster United Fans mit Éric Cantona- Masken das Haus des Gangsterbosses und dekorieren sein Haus großzügig um, währenddessen dieser von Eric die ganze Zeit gefilmt wird. Die Angst des Gesichtverlustes, ob der Veröffentlichung dieses Videos des als psychopathisch gekennzeichneten Bosses, fungiert nun als Schutz der beiden bedrohten Söhne. Am Ende ist die Familie wieder versöhnt und Erics Beziehung zu Lily entspannt sich.

Cantona und die Figur des Dritten

Figur des Dritten mit der Nummer 7 auf dem Rücken

Angesichts der realen Bedeutung einer schweren Depression erscheinen viele Elemente des Films geradezu lächerlich. Und natürlich enden solche Geschichten im wahren Leben nicht unmittelbar mit einem Happy End. Und doch enthält dieser Film lehrreiche Momente. Cantona ist die Leichtigkeit des Seins, deren Kehrseite der Unerträglichkeit Eric Bishop verkörpert. Cantona ist sein letzter Anker, eine psychische Imagination an der er sich aufbauen kann. Nicht nur mit dem was Cantona sagt, sondern dass er überhaupt ihm und niemand anderem erscheint. Das scheint kein Zufall zu sein. Die Figur des Cantonas fungiert für Eric als der in der Psychoanalyse bekannte Dritte. Es ist die Verschränkung des Ideal-Ichs, das für die Anderen begehrenswert ist und dem Symbolischen. Der Dritte ist jene Figur, die diese Verklammerung entscheidet. Sie bestimmt über Anerkennung und Verweigerung. Das spannende daran ist die Rolle des Subjekts, in unserem Falle Eric Bishop. Denn das Subjekt sucht diesem Dritten zu gefallen und es glaubt an ihn. Der große Cantona wird Erics Begleiter, weil er ungebrochen an ihn glaubt. Die Figur des Cantona veranschaulicht es selbst sehr schön in einer Szene des Films. Der Star erzählt von seiner Angst vor 60.000 Menschen in einem Stadion zu stehen. Eric versucht dem plötzlich irdisch gewordenen Jesus in Stollenschuhen zu gefallen und sagt deshalb: „Sometimes I forget that you're just a man.“ Und sein Idol antwortet: „I am not a man, I am Cantona.“ begleitet von einem kleinen Schmunzeln. Er weiß um seine Bedeutung und Verantwortung Eric gegenüber. Er ist ein Held und gleichzeitig ein Arschloch. Das bisweilen autoritäre Auftreten Cantonas mag dies verdeutlichen und doch transportiert es ein ungeheures Maß an Authentizität, welcher Eric Bishop nicht gehorsam, sondern anerkennend folgt. In seiner Art ist Erics Gefolgsamkeit ähnlich der seines großen Idols. Sperrig, widerspenstig und widerständig. Eigentlich will er all den Forderungen, die King Éric an ihn stellt, nicht nachkommen, genau genommen kann er das auch nicht. Es sind zu viele, sie sind zu anstrengend. Und doch will bzw. muss er, denn er glaubt ja an sie. Er will seiner Projektion gefallen. Nur dadurch ist Eric in der Lage, Kräfte aufzubringen und dem Sog seiner Depression zu entkommen. Die Mobilisierung seiner Freunde zum Schutz seines Sohnes, das Finale des Films, wirkt wie der Abschluss dieses Prozesses seiner Cantona-Werdung: die Selbstermächtigung. Letztlich erkennt Eric, dass er seine Geschicke mit Hilfe seiner Freunde selbst in die Hand nehmen kann.

Selbstermächtigung und Charisma

Liest man die Geschichte der beiden Erics quer, so lässt sich durchaus darüber nachdenken, welche Bedeutung diese Figur des Dritten für politisches Handeln hat. Sie zeigt, dass zwischen der idealisierten Vorstellung von uns selbst als begehrenswerter Person und den Normen und Regeln, denen wir zu folgen haben, eine Verknüpfung über den Dritten besteht. Dieser Dritte ist für die Geschicke politische Führung maßgebend. Er fungiert im politischen Kontext als die Instanz der Mobilisierung durch Identifikation. Die Menschen bewegen sich nicht einfach aus sich selbst heraus, so sehr sich manche politische Akteur_innen dies herbeiwünschen mögen. Neben den materiellen Bedingungen sozialer Kämpfe, braucht es die Möglichkeit seinem Cantona zu gefallen. Was sich nach Unmündigkeit und Usurpation anhört, entpuppt sich als ein Stadium, das es zu durchschreiten gilt, um selbstermächtigt daraus hervorzugehen. Die simpelste Form dieser Struktur gerecht zu werden, wäre eine deutlich höhere Dichte an Role-Models in politischen Kontexten, die sich ihrer Bedeutung und Verantwortung bewusst sind. Was nicht zuletzt heißt, die stumme Gefolgsamkeit seiner Anhänger_innen regelmäßig aufzuscheuchen, aber den Verzweifelten eine begehrenswerte Variante ihrer selbst vorzuleben. Um der politischen Rechten nicht das Feld charismatischer Führung zu überlassen, braucht es diese Gegenentwürfe dringend. Denn der Dritte kann seine Anerkennung versagen. Und das ist auf Dauer gestellt der Untergang.

Laszlo Strzoda ist Politikwissenschaftler und kickt beim FSV Hansa 07.

 

Anmerkungen

[1] “When the seagulls follow the trawler, it's because they think sardines will be thrown into the sea. Thank you very much.”

  • Mögen

  • Versenden
  • Ausdrucken

Artikel versenden

Absender

Empfänger

Nutzungsbedingungen*

Ich verpflichte mich zur wahrheitsgemäßen Angabe meiner Daten. Ich weiß sicher, dass der/die Empfänger/in mit dem Empfang der E-Mail einverstanden ist. Ich übernehme die Verantwortung, wenn dies nicht der Fall ist. Zur Entlastung des Websitebetreibers gestatte ich, dass Datum, Uhrzeit, beide E-Mail-Adressen und meine IP-Adresse gespeichert werden. Nicht gespeichert wird die Nachricht an den Empfänger.

Schließen
Artikel aus der Ausgabe Juni 2016
Prager Frühling Juni 2016

Kommentar abgeben

Stadion, Serien, Sozialismus

Welche Serien sehen Linke, und warum? Warum gehört Beckenbauer aus dem DFB geschmissen und was machen Feine Sahne Fischfilet in Paris? Was haben Soccer und Sozialismus miteinander zu tun und welche Musik würde der klassische Pianist Igor Levit gern bei einer Demo hören? Diese Fragen beantwortet die neue Ausgabe des Magazins für Freiheit und Sozialismus.

Verteidigung des Unabgegoltenen

Die Gegenwart ist reich an Mythen: Die Linke interessiere sich nicht mehr für die Arbeiterklasse und der globale Aufbruch von `68 sei ein Aufstand der ohnehin Privilegierten. Dieser grassierenden Geschichtslosigkeit entgegen rekonstruieren wir das Unabgegoltene des Aufstands im Mai `68 und fragen nach den Folgen der Niederschlagung des Prager Frühling für die Linke in Ost- und Westeuropa ...

Klasse mit Gedöns!

Die politische Linke habe sich die letzten Jahrzehnte zu viel mit Gedöns und zu wenig mit Klassenpolitik beschäftigt, so ist im politischen Feuilleton derzeit häufiger zu lesen. Nur: Stimmt das überhaupt? Und was hieße Klassenpolitik auf der Höhe der Zeit?

Tod der alten Dame?

Ob PASOK in Griechenland oder die Parti Socialiste in Frankreich, in vielen Ländern sind die Sozialdemokraten zu Kleinstparteien geworden. Auch hierzulande geht’s der SPD alles andere als gut. Was bedeutet die Schwäche der SPD für die Linke? Was für eine sozialistische Europapolitik? Eine Ausgabe über Glanz und Elend der realexistierenden Sozialdemokratie.

Versteckte Gemeinsamkeit

Sie hassen und sie brauchen sich. Die völkische Rechte nutzt islamistischen Terror und neo-salafistische Ideologie zur Selbstermächtigung und zur geistigen Aufrüstung beim Kampf um die Straße. Unsere Autor*innen gehen der Frage nach, woher sich diese „autoritären Revolten” speisen, wie ihnen zu begegnen ist und welche Rolle eine emanzipatorische Linke dabei spielen sollte.

Bevor die nächste Blase platzt

In EU und Euroraum erleben wir wie der neoliberale, finanzgetriebene Kapitalismus einfach so weitermacht wie bisher. Was eine linke Antwort ist, kann als umstritten gelten: Rückzug in den nationalstaatlich organisierten Kapitalismus oder eine solidarische und demokratisierte Wirtschaftsordnung in Europa?

Wer ist das Volk?

Populismus als Kommunikationsform und Strategie

Wer ist das Volk in „Wir sind das Volk“? — Wir haben uns in Europa und den Amerikas auf die Suche nach dem Volk der rechten Wutbürger und dem Volk des Linkspopulismus begeben. Gefunden haben unsere AutorInnen populistische Elemente in der repräsentativen Demokratie und einen radikaldemokratische Impetus des Linkspopulismus. In den Beiträgen werden Fragen nach der (Un)Möglichkeit des Pluralismus innerhalb linkspopulistischer Strategien und nach der Realpolitik des Populismus an der Macht gestellt.

Angst essen Seele auf

Terror, Gewalt, Kriminalität — SicherheitspolitikerInnen behaupten darauf eine Antwort zu haben. Aber was war eigentlich noch mal die Frage? Unsere AutorInnen haben versucht herauszufinden, was das eigentlich ist: Sicherheit. Sie haben sich an Antworten darauf versucht, ob es eine linke und emanzipatorische Sicherheitspolitik geben kann und worin diese eigentlich bestehen sollte.

This is a movement

Die Neuaushandlung von Bewegungsfreiheit und Grenzregimen

Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen. … oder höchstens eine ganz kleine vielleicht oder einen Zaun aus Natodraht. Die selektive Abschottung des „Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts“ nach außen ist in seiner bisherigen Form gescheitert. Unsere AutorInnen intervenieren in diese Neuaushandlung zentraler Fragen von Nationalstaatlichkeit, globalen Rechten und Demokratie ...

Krieg und Frieden

Weltinnenpolitik und die Zukunft ziviler Konfliktbearbeitung

Putinversteherin und Faschistenfreund – in Diskussionen über den Umgang mit bewaffneten Konflikten, wird schnell auch rhetorisch scharf geschossen. In seiner neuen Ausgabe fragt prager frühling wie eigentlich linke Weltinnenpolitik geht und wie eine Neuerfindung des politischen Pazifismus ins Werk zu setzen wäre.

So nicht!

Demokratie als Praxis

Griechenland hat die Austeritätspolitik abgewählt - durchgesetzt hat dies eine linke soziale Bewegung auf den Straßen und Plätzen. Ohne die enge Verzahnung mit Syriza als parlamentarischer Verlängerung wäre dies nicht möglich gewesen. In Dresden hingegen marschiert mit Pegida eine neue APO von rechts und mit der AfD rückt eine neue Rechtspartei in die Parlamente ein. Genügend Gründe also sich mit den Formatierungen parlamentarischer Demokratie zu beschäftigen. Spielräume für emanzipatorische Kämpfe zu ergründen und Beschränkungen einer Politik im Zählverein zu analysieren.

No Future?!

Not this Future!

Elendig lange scheint es her, dass Francis Fukuyama en passant mit dem Ende der Geschichte auch das Ende des Zukunftsdenkens ausgerufen hat. Elendig ist das gegenwärtige Zukunftsdenken auch nach dem Ende dieses „Endes der Geschichte“. In Politik, Wissenschaft und Literatur ist der Bedeutungshorizont von Zukunft auf die Begrifflichkeiten der Versicherungsmathematik zusammengeschrumpft. Der Versuch einer Rettung

Common Sense?!

Von Sinn und Eigensinn der Commons

Emanzipatorische Alternative jenseits von Markt und Staat oder nur Lückenbüßer für vormals staatlich organisierte Aufgaben? Unsere Autor*innen haben sich auf die Suche nach heutigen Commons gemacht. Im ersten Teil der Ausgabe haben sie die Kontaktzonen zum Markt, Staat und Care-Ökonomien besichtigt und theoretisch vermessen. Im zweiten Teil der Ausgabe haben sie Gemeinschaftsgärten durchstreift sowie an „Energietischen“ gesessen, um Kämpfe um Commons zu dokumentieren.

Feiern, wie sie fallen?!?

Über das Verhältnis von Opponieren, Regieren und Protestieren

Die heilige Dreifaltigkeit der Linken ist die Trinität aus Protestieren, Opponieren, Mitregieren. Bei der Frage, in welcher Beziehung die drei stehen, gerät die Gemeinde oft ins Stammeln und die politischen Theologen antworten mit dürren Dogmen. Unsere AutorInnen haben zunächst gefragt, wo er ist, der ominöse Ort der Macht und sind ihm dann mit steilen Thesen auf den Leib gerückt.

Wo Strom ist, ist Widerstand

Digitaler Protest und elektronische Demokratie

Unsere AutorInnen fragen sich, ob die Schwarmintelligenz den Cybersexismus überwinden kann und wo genau die Grenzen des digitalen Medienbaukastens verlaufen. Kai van Eikels analysiert die Ideologie des „Nerds“ und Mathias Schindler erklärt, wie es mit Wikipedia weitergeht. In den Feminismen gibt Dr. Lady Bitch Ray dem Feminismus der ersten Welle einen fetten Zungenkuss, während Stefan Gerbing in der ersten Hurenzeitung der Weimarer Republik geblättert hat.

Burn-out den Verhältnissen

… oder die Revolution kommt immer zu spät

Nein, ihr habt’s wieder falsch verstanden! Entschleunigung heißt nicht Breitbandrossel, liebe Telekom. Und Du, Frankfurter Polizei: Die Entdeckung der Langsamkeit meint nicht, zehn Stunden Zwangsentschleunigung im Kessel. In der Stress-Ausgabe prager frühling geht’s, darum wie man es richtig macht.

Essen und gegessen werden

Erst so ein Fressen und dann auch noch Moral!

Der Realsozialismus ist auch auf der Speisekarte gescheitert: Als Diktatur des schlechten Geschmacks. Die Verhältnisse an kapitalistischen Tafel sind nicht weniger ungenießbar. Tausch von ökonomischem und sozialem Kapital geht vor. Wenn Renate Künast eine Flasche fairen Bio-Orangensaft kauft, geht locker das Tagesbudget eines Hartz-IV beziehenden Kindes über die Theke ...

Battlen statt Betteln.

prager frühling entwickelt die neue soziale Idee!

Die neue Ausgabe des prager frühling erscheint am 26.10.2012 und kann hier bestellt werden.Im Schwerpunkt geht es diesmal um die „Neue soziale Idee“ und damit die Frage nach emanzipatorischen Potentialen, aber auch den Grenzen einer linken Sozialpolitik.

Autoritäres Krisenregime

Deutsche Euros rollen wieder …

Und in Berlin singen die Ultras von der FDP gemeinsam mit den Polithools vom rechten Rand: „Protektorat statt Europarat!“ Wird in Griechenland bald mehr als nur Deutsch gesprochen? Unsere AutorInnen stellen sich dem Einmarsch entgegen. Lucas Oberndorfer analysiert den autoritären Wettbewerbsetatismus als Krisenbearbeitungsstrategie ...

Sex! Sex! Sex!

Über die schönsten Nebenwidersprüche der Welt

Von wegen „schönste Nebensache“ der Welt. Sex ist diesmal der Schwerpunkt unseres Heftes. Während uns die Starsoziologin Eva Illouz über den Zusammenhang von Kapitalismus und Partnerwahl aufklärt, analysiert Kathy Meßmer Intimchirurgie als widersprüchliche Praxis. Außerdem im Schwerpunkt: ...

Affentanz um Nahost

Nichts sehen, nichts hören, laut brüllen — geht die Linke über den Jordan?

Ach diese Linken! Sie wissen genau, wie es Frieden zwischen Ramallah und Tel Aviv geben kann und sie brüllen es heraus – in Düsseldorf und Frankfurt. Während die Einen schreien: „Straßenschlacht in Ramallah, die Panzer sind die Antifa“, brüllen die Anderen: „Intifada bis zum Sieg ...

Reinheitsverbot

Parallel sind immer die Anderen!

prager frühling stößt an: ein Prosit den Parallelgesellschaften! Schon klar, Integration fordert immer die Anderen. Deshalben sagen wir: "Erst wenn Efes sich ins deutsche Biersortiment eingegliedert hat und ein Hefeweizen anbietet, werdet ihr merken, dass man so etwas nicht trinken kann." Wie aber geht sozialistischer Antirassismus? Etienne Balibar, Nichi Vendola und viele andere versuchen sich in Antworten ...

Im Zweifel Dagegen!

Schwerpunktheft Dissidenz und ziviler Ungehorsam

Dissidenz und ziviler Ungehorsam sind die Hefe linker Politik. Kann Sie auch Schmiermittel des Kapitalismus sein? Wo schlägt Subversion in unpolitischen Abweichungsfetisch um? Unsere Autor_innen schauen nach, diskutieren und polemisieren.

com.munismus. komm!

Auf dem Weg zum Wissenskommunismus

Ist geistiges Eigentum Diebstahl? Stellen Raubkopien das Ergebnis von Aneignung oder eine besonders perfide Ausbeutung des Kreativproletariats dar? Darüber diskutieren in unserem Heft u.a. Michael Hardt, Cornelia Koppetsch, Sabine Nuss und Stefan Meretz. Digital Natives diskutieren die Implikationen der Digitalisierung von Demokratie ...

Crossover

Gegenmacht oder gegen Macht?

„Crossover“ ist der Versuch, eine Diskussion über politische Kooperation von sozialistischen, grünen und sozialdemokratischen Positionen in Gang zu setzen, deren Ergebnis hegemoniefähige progressive Reformprojekte werden sollen. So nahe liegend dies angesichts des Niedergangs der neoliberalen Ära ist, so blockiert ist diese Perspektive dennoch ...

Klimawandel und Gesellschaftsveränderung

System change not climate change!

Den politischen Gemütszustand unserer Welt beschreibt nichts besser als der alte Kalauer: „Öko? Logisch.“ Niemand schmunzelt mehr drüber, aber alle nehmen den Schenkelklopfer für sich in Anspruch. Dass alles irgendwie auch „öko“ sein müsse, also die Sache mit der Umwelt halt ein Problem sei, ist – logisch – Allgemeinplatz geworden ...

Die Linke und die Nation.

Hattu Nation, muttu entgrenzen

Die Linke und die Nation ist der Schwerpunkt der fünften Ausgabe des prager frühlings. Außerdem beschäftigen wir uns unter dem Motto "balkan beats" mit der Linken in Post-Jugoslawien. Mit dabei sind Thomas Seibert, Julia Bonk, Klaus Höpcke, Michel Albert, Christin Löchner, Lothar Bisky, Ringo Bischoff, Katja Kipping, Andreas Fischer-Lescano und die Band Ego-Tronic ...

Her mit dem schönen Leben!

Infrastruktursozialismus statt Hartz IV

Original sanktionsfrei: Weg mit Hartz IV! Her mit dem schönen Leben! Neben vielen investigativen und weniger investigativen Beiträgen zum Hartz IV-Regime, wollen wir Euch in dieser Ausgabe auch unseren Vorschlag vorstellen, dem Hartz IV-Regime die Forderung nach einem Infrastruktursozialismus entgegen zu setzen ...

Democracy against the machine

Radikaldemokratie statt FdGO

Februar 2009 erschien die dritte Ausgabe des prager frühling. Das Schwerpunktthema ist "Demokratie und Herrschaft" mit Beiträgen und Artikeln von Chantal Mouffe (University of Westminster, London), Jürgen Peters (IG Metall), Colin Crouch, Franziska Drohsel (Juso-Vorsitzende), die Gruppe Soziale Kämpfe, Sonja Buckel (Universität Frankfurt) und viele andere mehr ...

Auf der Suche nach der Ästhetik des Widerstandes

Alles Politur? Zum Verhältnis von Politik und Kultur

Mitte Oktober 2008 kam die zweite Ausgabe von prager frühling, dem neuem Magazin für Freiheit und Sozialismus. Das nächste Heft widmet sich schwerpunktmäßig dem Verhältnis von Politik und Kultur. Ziel der Redaktion ist es, politisches Engagement und Kultur einander näher zu bringen. Dabei geht es nicht um eine Kolonisierung des einen Bereichs durch den anderen ...

Neue Linke: Alles beim Alten?

NeuBegründung als Bruch nach vorn

Der Schwerpunkt der ersten Ausgabe des Magazins prager frühling heißt "Refound: NeuBegründung". Unsere Autorinnen erklären was der "Bruch nach vorn" ist. Mit dabei Frigga Haug, Thomas Seibert, Hans Jürgen Urban, Daniela Dahn und Michel Friedmann.

Sprungmarken: Zum Seitenanfang, Zur Navigation, Zum Inhalt.