Prager Frühling, Magazin für Freiheit und Sozialismus (www.prager-fruehling-magazin.de)

Mosaik oder Kaleidoskop

7 Thesen wieso die Linke heute über den Neoliberalismus hinaus statt dahinter zurück muss

Jan Schlemermeyer

„Der wichtigste Unterschied innerhalb der zeitgenössischen Linken verläuft zwischen Vertretern einer Politik des folkloristischen Lokalismus (…) und denen, die eine Politik entwerfen, die sich in einer Moderne der Abstraktion, Komplexität, Globalität und Technologie zu Hause fühlt“

(Nick Srnicek/Alex Williams)

 

Ein wesentliches, aber bisher eher wenig beachtetes Ergebnis der Debatte über die Grenzen und Möglichkeiten einer Mosaiklinken ist die folgende Überlegung: Die passende Metapher für das politische Subjekt einer befreiten, aber arbeitsteiligen Gesellschaft ist eher Kaleidoskop- als Mosaiklinke. Denn die Linke müsste heute vielmehr ein Prozess der grenzübergreifenden Veränderung, denn ein Akteur der ordentlichen Verwaltung sein. Die Grenze verläuft daher nicht mehr einfach zwischen einer reformistischen und einer radikalen Linken, sondern zwischen denen, die bereit sind, quer zu den Handlungsfeldern und Institutionen Potentiale des Gemeinsamen frei zu legen und entsprechende Verbindungen zu schaffen – und denjenigen, die auf der einen wie der anderen Seite die Krisen des globalen Kapitalismus mit einer reaktionären Rückkehr zur vermeintlichen Übersichtlichkeit von Nationalstaat, Identität oder Familie beantworten wollen. Warum die Grenzen neu gezogen werden müssen? Dazu im Folgenden sieben Thesen.

Mosaik- oder Kaleidoskoplinke — nicht nur eine Frage der Metapher

 

  1. Das Problem liegt heute weniger darin, dass es keine Vorschläge für andere, sozialere und ökologischere Politikinhalte geben würde – die gibt es entgegen der beklagten „Alternativlosigkeit“ massenhaft. Vielmehr fehlt sowohl für die Forderungen sozialer Bewegungen wie für die linker Parteipolitik insgesamt eine realistische Durchsetzungsperspektive. Die folgenlose Flut alternativer Konzepte ist insofern selbst schon zu einem Symptom der postdemokratischen Entpolitisierung geworden. Ein wesentlicher Grund für dieses praktische Scheitern linker Politik ist, dass die Auswirkungen der gesellschaftlichen Transformation seit den 1970er Jahren auf den Bereich des Politischen, das heißt der strategischen Formulierung und Konzeption, bisher nicht hinreichend reflektiert wurden. Denn als deren Folge stellt sich das linke Milieu als „kulturell segmentiert, sozial zerklüftet, politisch dadurch gespalten“ (Walter 2010) dar. Das erfordert ein neues „Wir“ jenseits alter Gruppen- oder Klassenidentitäten. Diskurstheoretisch formuliert geht es um sogenannte Äquivalenzketten oder Diskurskoalitionen“ (Mikfeld 2011). Dabei geht es nicht nur um die Frage der politischen Kooperationsfähigkeit innerhalb der Linken, sondern mehr noch um die Frage, inwiefern sie insgesamt zu ihrer sozialen Verbreiterung in der Lage ist. Denn wenn schwache Bewegungen mit lahmen Parteien kooperieren, bringt das, abgesehen von einer Menge Bündnistreffen, auch nicht viel.
  2. Diese Problemdiagnose verweist auf tieferliegende soziale Prozesse, insbesondere auf eine Erhöhung des Grades gesellschaftlicher Differenzierung, welche die klassisch fordistischen Formen linker Politik, wie zum Beispiel das Konzept der „politischen Führung“ und der „Eroberung der politischen Macht“ (Kellner/Lieberam/Steigerwald 2013), problematisch gemacht haben. Eine moderne Konzeption linker Politik muss daher systematisch auf diese Ausdifferenzierungsprozesse reagieren, wenn die politische Linke in absehbarer Zeit gesellschaftlich wirkmächtig werden will. Da heute weithin unklar zu sein scheint, wie eine linke Politik das Problem (und die Chance) der Freiheit systematisch in eine Strategie gesellschaftlicher Veränderung einbauen kann, ist die theoretische Frage nach einer übergreifenden Vermittlung unterschiedlicher Handlungsfelder und Interessen auch eine von praktischer Relevanz. Politisch meint das die Aufgabe, einen linken Umgang mit dem aktuellen Grad der gesellschaftlichen Differenzierung zu finden, der in der Lage ist, das Freiheits- und Individualitätsversprechen des Neoliberalismus kritisch gewendet aufzunehmen und insofern als strategische Handlungsanleitung einer Praxis dienen kann, die soziale Gerechtigkeit durch und nicht trotz politischer Freiheit grenzübergreifend verwirklicht.
  3. Genau an diesem Punkt setzen verschiedene, häufig etwas blumig klingende Konzepte zur Rekonfiguration linker Politik, wie „Mosaiklinke“ (Urban 2009) und „Multitude“ (Hardt/Negri 2004) an. Damit ist – bei allen Unterschieden im Detail – der Anspruch verbunden, eine Neudefinition des Konzeptes materieller Demokratie zu leisten, indem dessen Fokussierung auf die fordistische Industriegesellschaft und deren Akteure seitens der meisten linken Spektren durch eine „postfundamentalistische Öffnung“ des Politikverständnisses insgesamt vermieden wird. Demnach haben „Gesellschaften des entwickelten Kapitalismus einen Grad an Komplexität erreicht, in dem kein Akteur a priori feldübergreifende Handlungskompetenz reklamieren kann“ (Urban 2012). In diesem Sinne werden „Bewegungen“ und „Regierung“ bzw. „Institution“ insgesamt nicht mehr als bloß empirische Akteure, sondern als unterschiedliche soziale Handlungsformen bzw. -felder gedacht, die auf der Grundlage eines programmatischen Umbaus der Institutionen der parlamentarischen Demokratie und einer Rekonfiguration des Selbstverständnisses von sozialen Bewegungen und Gewerkschaften verbunden werden können. Das meint insbesondere eine Absage an jede Form avantgardistischer Politik und ein Verständnis von Solidarität, das die Veränderung des eigenen Standpunktes als produktive Chance einkalkuliert. Gerade „deswegen sind die Methoden der Erarbeitung von Gemeinsamkeiten und Differenzen zentral“ (Buckel/Ypsilanti 2012).
  4. Soll es sich bei den Ansätzen zur Redefinition linker Politik um mehr als bloße „Metaphern der politischen Rhetorik“ (Urban 2012) handeln, gilt es einen Begriff des politischen Feldes zu entwickeln, der die instrumentelle Vorstellung von (Bündnis-)Politik überwindet. Angesichts der strategischen Ratlosigkeit der politischen Linken scheint die Feststellung des Systemtheoretikers Uwe Schimank, dass sich die materialistische Theorie bisher ausgiebig den Analysen entlang der vertikalen Ungleichheits- und Herrschaftsdimension von Gesellschaft und (zu) wenig dem Aspekt der horizontalen Ungleichartigkeit der verschiedenen Handlungsfelder gewidmet hat (Schimank 2000) nicht ganz aus der Luft gegriffen. Ansatzpunkt für eine umfassendere Betrachtung des Problems kann daher zunächst die theoretische Feststellung sein, dass kapitalistische Gesellschaften nicht nur als Herrschaftsordnungen, sondern ebenso auf der „Sachebene“ als komplexe Systeme von Organisationen beschrieben werden können. Komplex meint hierbei erst einmal die schlichte Tatsache, dass eine adäquate Beschreibung des Kapitalismus „vieler Sätze (oder Formeln) bedarf“ (Ernst 2009) und nicht einfach aus einer Logik oder der Herrschaft einer sozialen Klasse abgeleitet werden kann. In der Sache selbst ist soziale Differenzierung dabei begründet, da sie in der erkenntnistheoretischen „Unmöglichkeit [wurzelt], Information mehr als bis zu einem gewissen Ausmaß zu reduzieren.“  
  5. Innerhalb der Linken wird soziale Komplexität jedoch häufig nur positiv im Sinne einer Zunahme von Optionen und nur selten als eine Form der negativen Strukturierung von Wahlmöglichkeiten aufgrund der Überforderung von Verarbeitungskompetenzen verstanden. Dabei liegt hier vielleicht der Schlüssel zum Verständnis der Berechtigung verschiedener Bereiche, wie eben Partei und Bewegung. Dass es keine „objektive“ Antwort auf die Frage nach einer menschlichen und zugleich auch „funktionierenden“ Form der gesellschaftlichen Reproduktion gibt (wie liberale und marxistische Technokratie gerne glauben wollte), heißt nicht, dass einfach alles unmittelbar möglich ist. Will man also nicht einer reaktionären Reduktion von Komplexität das Wort reden, sondern vielmehr am Ziel einer „Demokratisierung der Differenzierung“ (Alex Demirovic) festhalten, stellt sich die Frage, ob die „Sachdimension“ kapitalistischer Herrschaft als eine spezifische Ebene gesellschaftlicher Vermittlung mit eigener Dichte politisch ernster genommen werden sollte. Schließlich wird das „Reich der Freiheit“ auf absehbare Zeit auch noch mit einem „sozialen Reich der Notwendigkeit“, also einem bestimmten Stand der Formen sozialer Informationsverarbeitung verbunden sein. Denn die Ausbildung verschiedener Rationalitätsformen, Institutionentypen und Spezialisierungen ist eben auch ein historisches Ergebnis von sozialen Praxen, Erfahrungen und Wissensbeständen, die gesellschaftlich sedimentieren. Das aber heißt, soziale Differenzierung als ein integrales Moment moderner Gesellschaften zu begreifen, das weder voluntaristisch übergangen werden kann, noch einfach in Herrschaft aufgeht, sondern vielmehr einen widersprüchlichen Bestandteil der sozialen Realität darstellt – und als solcher immer auch von Subalternen erkämpft wurde.
  6. Diese Analyse hat Auswirkungen auf die Konzeption von Zielvorstellung wie Modus linker Politik. Denn genau hier – in der Einsicht in die widersprüchliche Rationalität einer gesellschaftlichen Reproduktion durch soziale Differenzierung – liegt die Aufgabe, dem sich alle Ansätze zur Neubestimmung linker Politik unter den Bedingungen der komplexen kapitalistischen Gesellschaft stellen müssen. Dabei geht es um nicht weniger als das Problem, dass es bisher kein dem Kapitalismus ebenbürtiges, emanzipatorisches Konzept eines Systems gibt, welches die gesellschaftliche Gesamtarbeit im globalen Maßstab in Einzeltätigkeiten zerlegt und diese wieder zusammenführt. Daher muss die Organisationsleistung und der Rationalitätsfortschritt konkret innerhalb der Handlungsfelder des Bestehenden, die „Erweiterung sozialer Freiheiten bereits in institutionellen Errungenschaften, in veränderten Rechtssetzungen und kaum mehr rückgängig zu machenden Mentalitätsverschiebungen“ (Honnneth 2015) analysiert werden. Alle Versuche dieses Problem zu umgehen, verweigern sich der Einsicht in die Zweckrationalität verschiedener Handlungsfelder mittels der politischen Phantasie eines souveränen Neuanfangs. Oder um dasselbe Problem nochmal mit der etwas theologischen Metapher eines anderen Systemtheoretikers zu beschreiben: „Am Anfang war das weiße Blatt, nicht das Wort – aber nur am Anfang, danach nicht mehr, danach gibt es kein Anfangen mehr, sondern nur ein Weitermachen.“ (Nassehi 2015)
  7. Entledigen sich die Ansätze zur Neubestimmung linker Politik von der Souveränitätsfiktion eines Bruchs, egal ob er nun als Phantasie eines revolutionären Neustarts (Unsichtbares Komitee 2010) oder eines etatistischen Gesamtplans (Wagenknecht 2016) auf das weiße Blatt einer doch längst beschriebenen Gesellschaft gezeichnet wird, dann können sie reformuliert werden. Das würde diese Ansätze von der nach wie vor mitschwingenden Bedeutung einer so ausgeklügelten wie instrumentellen Taktik befreien. Auf der Ebene des politischen Modus würde das die autoritäre Frage nach der Integration durch jene nach den adäquaten Übersetzungsformen zwischen verschiedenen, jeweils eben auch funktional begründbaren sozialen Logiken ablösen. Ein Einrichten im Bestehenden (oder gar eine Absage an die prinzipielle Unterscheidbarkeit von links und rechts, wie sie einigen Systemtheoretiker vorschwebt) muss das nicht heißen, denn schließlich gibt es „keine soziale Funktion, welche die Gesellschaft nicht entbehren könnte (…). Nichts kann verhindern, dass die Gesellschaft die Verfassung oder das Eigentumsrecht aufgibt, sofern etwas an ihre Stelle tritt, was als funktionales Äquivalent dieser Struktur wirken kann“ (Bachur 2013). Veränderung aber wäre dann – jenseits von Reform und Revolution – zu denken als ein Prozess der Transformation mit kaum kalkulierbaren Rückkoppelungen. Befreiung als Zielvorstellung wäre insofern nicht mehr das Tabula-Rasa am Ende aller Tage, sondern vielmehr die Entfesselung der vielfältigen Rationalitäten sozialer Arbeitsteilung aus den Systemzwängen ihrer kapitalistischen Form. Mit anderen Worten: Das Ziel wäre am Ende ein „zwangloses Zusammenspiel aller sozialen Freiheiten in der Differenz ihrer jeweiligen Funktionen“ (Honneth 2015).

 

Jan Schlemermeyer ist Politikwissenschaftler, lebt in Berlin und ist u.a. bei Blockupy aktiv. Er ist Mitautor eines Bandes zu Geschichte und Organisierung der Antifa (theorie.org) und arbeitet bei der LINKEN.

 

Literatur

Bachur, Joao Paulo (2013): Kapitalismus und funktionale Differenzierung – eine kritische Rekonstruktion, Baden-Baden.

Buckel, Sonja/Ypsilanti, Andrea (2012): Crossover, in: Brand, Ulrich et al (2012): ABC der Alternativen 2.0, Hamburg.

Ernst, Gernot (2009): Komplexität – ‚Chaostheorie‘ und die Linke, Stuttgart.

Hardt, Michael/Negri, Antonio (2004): Multitude, Frankfurt am Main.

Honneth, Axel (2015): Sozialismus reloaded – und revidiert, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 10/2015.

Kellner, Manuel/Lieberam, Ekkehard/Steigerwald, Robert (2013): Reform und Revolution. Revolutions- und Klassentheorie im 21. Jahrhundert. Hamburg.

Mikfeld, Benjamin (2011): Auf der Suche nach dem Gemeinsamen – Überlegungen zur Zukunft der pluralen Linken, in: Blätter für internationale Politik (2011): Exit – Mit Links aus der Krise, Berlin.

Nassehi, Armin (2015): Die letzte Stunde der Wahrheit -  warum rechts und links keine Alternativen mehr sind und Gesellschaft ganz anders beschrieben werden muss, Hamburg.

Schimank, Uwe (2000): Theorien gesellschaftlicher Differenzierung, Opladen.

Unsichtbares Komitee (2010): Der kommende Aufstand. Hamburg.

Urban, Hans-Jürgen (2009): Die Mosaik-Linke, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 5/2009.

Urban, Hans-Jürgen (2012): Mosaiklinke, in Brand, Ulrich et al (2012): ABC der Alternativen, Hamburg.

Walter, Franz (2010): Vorwärts oder abwärts? Zur Transformation der Sozialdemokratie, Berlin.

Wagenknecht, Sahra (2016): Reichtum ohne Gier: Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten, Frankfurt.

  • Mögen

  • Versenden
  • Ausdrucken

Artikel versenden

Absender

Empfänger

Nutzungsbedingungen*

Ich verpflichte mich zur wahrheitsgemäßen Angabe meiner Daten. Ich weiß sicher, dass der/die Empfänger/in mit dem Empfang der E-Mail einverstanden ist. Ich übernehme die Verantwortung, wenn dies nicht der Fall ist. Zur Entlastung des Websitebetreibers gestatte ich, dass Datum, Uhrzeit, beide E-Mail-Adressen und meine IP-Adresse gespeichert werden. Nicht gespeichert wird die Nachricht an den Empfänger.

Schließen
Artikel aus der Ausgabe Oktober 2016
Prager Frühling Oktober 2016

Kommentar abgeben

Stadion, Serien, Sozialismus

Welche Serien sehen Linke, und warum? Warum gehört Beckenbauer aus dem DFB geschmissen und was machen Feine Sahne Fischfilet in Paris? Was haben Soccer und Sozialismus miteinander zu tun und welche Musik würde der klassische Pianist Igor Levit gern bei einer Demo hören? Diese Fragen beantwortet die neue Ausgabe des Magazins für Freiheit und Sozialismus.

Verteidigung des Unabgegoltenen

Die Gegenwart ist reich an Mythen: Die Linke interessiere sich nicht mehr für die Arbeiterklasse und der globale Aufbruch von `68 sei ein Aufstand der ohnehin Privilegierten. Dieser grassierenden Geschichtslosigkeit entgegen rekonstruieren wir das Unabgegoltene des Aufstands im Mai `68 und fragen nach den Folgen der Niederschlagung des Prager Frühling für die Linke in Ost- und Westeuropa ...

Klasse mit Gedöns!

Die politische Linke habe sich die letzten Jahrzehnte zu viel mit Gedöns und zu wenig mit Klassenpolitik beschäftigt, so ist im politischen Feuilleton derzeit häufiger zu lesen. Nur: Stimmt das überhaupt? Und was hieße Klassenpolitik auf der Höhe der Zeit?

Tod der alten Dame?

Ob PASOK in Griechenland oder die Parti Socialiste in Frankreich, in vielen Ländern sind die Sozialdemokraten zu Kleinstparteien geworden. Auch hierzulande geht’s der SPD alles andere als gut. Was bedeutet die Schwäche der SPD für die Linke? Was für eine sozialistische Europapolitik? Eine Ausgabe über Glanz und Elend der realexistierenden Sozialdemokratie.

Versteckte Gemeinsamkeit

Sie hassen und sie brauchen sich. Die völkische Rechte nutzt islamistischen Terror und neo-salafistische Ideologie zur Selbstermächtigung und zur geistigen Aufrüstung beim Kampf um die Straße. Unsere Autor*innen gehen der Frage nach, woher sich diese „autoritären Revolten” speisen, wie ihnen zu begegnen ist und welche Rolle eine emanzipatorische Linke dabei spielen sollte.

Bevor die nächste Blase platzt

In EU und Euroraum erleben wir wie der neoliberale, finanzgetriebene Kapitalismus einfach so weitermacht wie bisher. Was eine linke Antwort ist, kann als umstritten gelten: Rückzug in den nationalstaatlich organisierten Kapitalismus oder eine solidarische und demokratisierte Wirtschaftsordnung in Europa?

Wer ist das Volk?

Populismus als Kommunikationsform und Strategie

Wer ist das Volk in „Wir sind das Volk“? — Wir haben uns in Europa und den Amerikas auf die Suche nach dem Volk der rechten Wutbürger und dem Volk des Linkspopulismus begeben. Gefunden haben unsere AutorInnen populistische Elemente in der repräsentativen Demokratie und einen radikaldemokratische Impetus des Linkspopulismus. In den Beiträgen werden Fragen nach der (Un)Möglichkeit des Pluralismus innerhalb linkspopulistischer Strategien und nach der Realpolitik des Populismus an der Macht gestellt.

Angst essen Seele auf

Terror, Gewalt, Kriminalität — SicherheitspolitikerInnen behaupten darauf eine Antwort zu haben. Aber was war eigentlich noch mal die Frage? Unsere AutorInnen haben versucht herauszufinden, was das eigentlich ist: Sicherheit. Sie haben sich an Antworten darauf versucht, ob es eine linke und emanzipatorische Sicherheitspolitik geben kann und worin diese eigentlich bestehen sollte.

This is a movement

Die Neuaushandlung von Bewegungsfreiheit und Grenzregimen

Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen. … oder höchstens eine ganz kleine vielleicht oder einen Zaun aus Natodraht. Die selektive Abschottung des „Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts“ nach außen ist in seiner bisherigen Form gescheitert. Unsere AutorInnen intervenieren in diese Neuaushandlung zentraler Fragen von Nationalstaatlichkeit, globalen Rechten und Demokratie ...

Krieg und Frieden

Weltinnenpolitik und die Zukunft ziviler Konfliktbearbeitung

Putinversteherin und Faschistenfreund – in Diskussionen über den Umgang mit bewaffneten Konflikten, wird schnell auch rhetorisch scharf geschossen. In seiner neuen Ausgabe fragt prager frühling wie eigentlich linke Weltinnenpolitik geht und wie eine Neuerfindung des politischen Pazifismus ins Werk zu setzen wäre.

So nicht!

Demokratie als Praxis

Griechenland hat die Austeritätspolitik abgewählt - durchgesetzt hat dies eine linke soziale Bewegung auf den Straßen und Plätzen. Ohne die enge Verzahnung mit Syriza als parlamentarischer Verlängerung wäre dies nicht möglich gewesen. In Dresden hingegen marschiert mit Pegida eine neue APO von rechts und mit der AfD rückt eine neue Rechtspartei in die Parlamente ein. Genügend Gründe also sich mit den Formatierungen parlamentarischer Demokratie zu beschäftigen. Spielräume für emanzipatorische Kämpfe zu ergründen und Beschränkungen einer Politik im Zählverein zu analysieren.

No Future?!

Not this Future!

Elendig lange scheint es her, dass Francis Fukuyama en passant mit dem Ende der Geschichte auch das Ende des Zukunftsdenkens ausgerufen hat. Elendig ist das gegenwärtige Zukunftsdenken auch nach dem Ende dieses „Endes der Geschichte“. In Politik, Wissenschaft und Literatur ist der Bedeutungshorizont von Zukunft auf die Begrifflichkeiten der Versicherungsmathematik zusammengeschrumpft. Der Versuch einer Rettung

Common Sense?!

Von Sinn und Eigensinn der Commons

Emanzipatorische Alternative jenseits von Markt und Staat oder nur Lückenbüßer für vormals staatlich organisierte Aufgaben? Unsere Autor*innen haben sich auf die Suche nach heutigen Commons gemacht. Im ersten Teil der Ausgabe haben sie die Kontaktzonen zum Markt, Staat und Care-Ökonomien besichtigt und theoretisch vermessen. Im zweiten Teil der Ausgabe haben sie Gemeinschaftsgärten durchstreift sowie an „Energietischen“ gesessen, um Kämpfe um Commons zu dokumentieren.

Feiern, wie sie fallen?!?

Über das Verhältnis von Opponieren, Regieren und Protestieren

Die heilige Dreifaltigkeit der Linken ist die Trinität aus Protestieren, Opponieren, Mitregieren. Bei der Frage, in welcher Beziehung die drei stehen, gerät die Gemeinde oft ins Stammeln und die politischen Theologen antworten mit dürren Dogmen. Unsere AutorInnen haben zunächst gefragt, wo er ist, der ominöse Ort der Macht und sind ihm dann mit steilen Thesen auf den Leib gerückt.

Wo Strom ist, ist Widerstand

Digitaler Protest und elektronische Demokratie

Unsere AutorInnen fragen sich, ob die Schwarmintelligenz den Cybersexismus überwinden kann und wo genau die Grenzen des digitalen Medienbaukastens verlaufen. Kai van Eikels analysiert die Ideologie des „Nerds“ und Mathias Schindler erklärt, wie es mit Wikipedia weitergeht. In den Feminismen gibt Dr. Lady Bitch Ray dem Feminismus der ersten Welle einen fetten Zungenkuss, während Stefan Gerbing in der ersten Hurenzeitung der Weimarer Republik geblättert hat.

Burn-out den Verhältnissen

… oder die Revolution kommt immer zu spät

Nein, ihr habt’s wieder falsch verstanden! Entschleunigung heißt nicht Breitbandrossel, liebe Telekom. Und Du, Frankfurter Polizei: Die Entdeckung der Langsamkeit meint nicht, zehn Stunden Zwangsentschleunigung im Kessel. In der Stress-Ausgabe prager frühling geht’s, darum wie man es richtig macht.

Essen und gegessen werden

Erst so ein Fressen und dann auch noch Moral!

Der Realsozialismus ist auch auf der Speisekarte gescheitert: Als Diktatur des schlechten Geschmacks. Die Verhältnisse an kapitalistischen Tafel sind nicht weniger ungenießbar. Tausch von ökonomischem und sozialem Kapital geht vor. Wenn Renate Künast eine Flasche fairen Bio-Orangensaft kauft, geht locker das Tagesbudget eines Hartz-IV beziehenden Kindes über die Theke ...

Battlen statt Betteln.

prager frühling entwickelt die neue soziale Idee!

Die neue Ausgabe des prager frühling erscheint am 26.10.2012 und kann hier bestellt werden.Im Schwerpunkt geht es diesmal um die „Neue soziale Idee“ und damit die Frage nach emanzipatorischen Potentialen, aber auch den Grenzen einer linken Sozialpolitik.

Autoritäres Krisenregime

Deutsche Euros rollen wieder …

Und in Berlin singen die Ultras von der FDP gemeinsam mit den Polithools vom rechten Rand: „Protektorat statt Europarat!“ Wird in Griechenland bald mehr als nur Deutsch gesprochen? Unsere AutorInnen stellen sich dem Einmarsch entgegen. Lucas Oberndorfer analysiert den autoritären Wettbewerbsetatismus als Krisenbearbeitungsstrategie ...

Sex! Sex! Sex!

Über die schönsten Nebenwidersprüche der Welt

Von wegen „schönste Nebensache“ der Welt. Sex ist diesmal der Schwerpunkt unseres Heftes. Während uns die Starsoziologin Eva Illouz über den Zusammenhang von Kapitalismus und Partnerwahl aufklärt, analysiert Kathy Meßmer Intimchirurgie als widersprüchliche Praxis. Außerdem im Schwerpunkt: ...

Affentanz um Nahost

Nichts sehen, nichts hören, laut brüllen — geht die Linke über den Jordan?

Ach diese Linken! Sie wissen genau, wie es Frieden zwischen Ramallah und Tel Aviv geben kann und sie brüllen es heraus – in Düsseldorf und Frankfurt. Während die Einen schreien: „Straßenschlacht in Ramallah, die Panzer sind die Antifa“, brüllen die Anderen: „Intifada bis zum Sieg ...

Reinheitsverbot

Parallel sind immer die Anderen!

prager frühling stößt an: ein Prosit den Parallelgesellschaften! Schon klar, Integration fordert immer die Anderen. Deshalben sagen wir: "Erst wenn Efes sich ins deutsche Biersortiment eingegliedert hat und ein Hefeweizen anbietet, werdet ihr merken, dass man so etwas nicht trinken kann." Wie aber geht sozialistischer Antirassismus? Etienne Balibar, Nichi Vendola und viele andere versuchen sich in Antworten ...

Im Zweifel Dagegen!

Schwerpunktheft Dissidenz und ziviler Ungehorsam

Dissidenz und ziviler Ungehorsam sind die Hefe linker Politik. Kann Sie auch Schmiermittel des Kapitalismus sein? Wo schlägt Subversion in unpolitischen Abweichungsfetisch um? Unsere Autor_innen schauen nach, diskutieren und polemisieren.

com.munismus. komm!

Auf dem Weg zum Wissenskommunismus

Ist geistiges Eigentum Diebstahl? Stellen Raubkopien das Ergebnis von Aneignung oder eine besonders perfide Ausbeutung des Kreativproletariats dar? Darüber diskutieren in unserem Heft u.a. Michael Hardt, Cornelia Koppetsch, Sabine Nuss und Stefan Meretz. Digital Natives diskutieren die Implikationen der Digitalisierung von Demokratie ...

Crossover

Gegenmacht oder gegen Macht?

„Crossover“ ist der Versuch, eine Diskussion über politische Kooperation von sozialistischen, grünen und sozialdemokratischen Positionen in Gang zu setzen, deren Ergebnis hegemoniefähige progressive Reformprojekte werden sollen. So nahe liegend dies angesichts des Niedergangs der neoliberalen Ära ist, so blockiert ist diese Perspektive dennoch ...

Klimawandel und Gesellschaftsveränderung

System change not climate change!

Den politischen Gemütszustand unserer Welt beschreibt nichts besser als der alte Kalauer: „Öko? Logisch.“ Niemand schmunzelt mehr drüber, aber alle nehmen den Schenkelklopfer für sich in Anspruch. Dass alles irgendwie auch „öko“ sein müsse, also die Sache mit der Umwelt halt ein Problem sei, ist – logisch – Allgemeinplatz geworden ...

Die Linke und die Nation.

Hattu Nation, muttu entgrenzen

Die Linke und die Nation ist der Schwerpunkt der fünften Ausgabe des prager frühlings. Außerdem beschäftigen wir uns unter dem Motto "balkan beats" mit der Linken in Post-Jugoslawien. Mit dabei sind Thomas Seibert, Julia Bonk, Klaus Höpcke, Michel Albert, Christin Löchner, Lothar Bisky, Ringo Bischoff, Katja Kipping, Andreas Fischer-Lescano und die Band Ego-Tronic ...

Her mit dem schönen Leben!

Infrastruktursozialismus statt Hartz IV

Original sanktionsfrei: Weg mit Hartz IV! Her mit dem schönen Leben! Neben vielen investigativen und weniger investigativen Beiträgen zum Hartz IV-Regime, wollen wir Euch in dieser Ausgabe auch unseren Vorschlag vorstellen, dem Hartz IV-Regime die Forderung nach einem Infrastruktursozialismus entgegen zu setzen ...

Democracy against the machine

Radikaldemokratie statt FdGO

Februar 2009 erschien die dritte Ausgabe des prager frühling. Das Schwerpunktthema ist "Demokratie und Herrschaft" mit Beiträgen und Artikeln von Chantal Mouffe (University of Westminster, London), Jürgen Peters (IG Metall), Colin Crouch, Franziska Drohsel (Juso-Vorsitzende), die Gruppe Soziale Kämpfe, Sonja Buckel (Universität Frankfurt) und viele andere mehr ...

Auf der Suche nach der Ästhetik des Widerstandes

Alles Politur? Zum Verhältnis von Politik und Kultur

Mitte Oktober 2008 kam die zweite Ausgabe von prager frühling, dem neuem Magazin für Freiheit und Sozialismus. Das nächste Heft widmet sich schwerpunktmäßig dem Verhältnis von Politik und Kultur. Ziel der Redaktion ist es, politisches Engagement und Kultur einander näher zu bringen. Dabei geht es nicht um eine Kolonisierung des einen Bereichs durch den anderen ...

Neue Linke: Alles beim Alten?

NeuBegründung als Bruch nach vorn

Der Schwerpunkt der ersten Ausgabe des Magazins prager frühling heißt "Refound: NeuBegründung". Unsere Autorinnen erklären was der "Bruch nach vorn" ist. Mit dabei Frigga Haug, Thomas Seibert, Hans Jürgen Urban, Daniela Dahn und Michel Friedmann.

Sprungmarken: Zum Seitenanfang, Zur Navigation, Zum Inhalt.