Prager Frühling, Magazin für Freiheit und Sozialismus (www.prager-fruehling-magazin.de)

vom bruch nach vorne

Die Redaktion im Gespräch über die NeuBegründung der LINKEN

Jörg Schindler arbeitet als Rechtsanwalt in Wittenberg und Berlin. Er ist Ortsvorsitzender der Wittenberger LINKEN und Mitglied des Kreistages.

Jörg Schindler: Mal ganz ehrlich: Die Etablierung der LINKEN kann nicht über ihre Ratlosigkeit hinwegtäuschen. Linke Politik ist heute ein großes „Irgendwie“: Irgendwie mehr soziale Gerechtigkeit und Demokratie, irgendwie Frieden, keine Nazis, keine Studiengebühren. Aber Patchwork ist kein Programm. Eine halbwegs kohärente und belastbare Strategie haben wir bisher nicht zu bieten. Ein starker öffentlicher Sektor ist zum Beispiel unser Ansatz. Aber soll der öffentliche Sektor betriebswirtschaftlich „effizient“ sein oder anderenfalls Beschäftigte entlassen? Oder will die Linke Ware, Wert und Markt abschaffen? Wenn nicht, wie soll durch bloße ständige Reichtumsumverteilung Kapitalismus überwunden werden?
Widersprüche treiben bekanntlich die Geschichte voran. Ich wünsche mir, dass aus dem widersprüchlichen „Irgendwie“ ein solcher Widerspruch wird. Die linke NeuBegründung steht noch an. Das setzt voraus, dass man das, was man in diesen linken Kessel Buntes eingebracht zu haben meint, nicht nur hinüberrettet, sondern fragt: Wie trug die eigene Politik zur knapp abgewendeten totalen Marginalisierung der Linken bei?

Katja Kipping ist stellvertretende Vorsitzende der LINKEN und Bundestags- abgeordnete. Im Bundestag wirkt sie vor allem als sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion.

Katja Kipping: Mich stört nicht die Ratlosigkeit, sondern die Verdrängung von Fragen. Problematisch ist doch eher, dass fast alle so weiter machen wie bisher. So im Laufschritt lässt sich womöglich eine organisatorische Neugründung vollziehen. Aber eine inhaltliche NeuBegründung setzt die Bereitschaft voraus, sich auch unbequemen Fragen zu stellen. Schließlich gehört nicht zuletzt das eigene Wirken in der Vergangenheit auf den Prüfstand. Womöglich hat man selber mit seinem Agieren dazu beigetragen, dass der Neoliberalismus solch einen Siegeszug starten konnte. Und sei es durch Unterlassungssünden.
Es muss ja keine Ratlosigkeit sein, aber das Eingeständnis von offenen Fragen. Von Fragen, die zum Ausgangspunkt für eine Suche werden könnten. Die richtigen Fragen zu stellen, könnte uns intellektuell und in den hegemonialen Auseinandersetzungen weiterbringen. “Preguntando caminamos“ — Fragend schreiten wir voran! sagen die Zapatistas. Die globalisierungskritische Bewegung in Italien hat diesen Slogan aufgegriffen. Hier kann die LINKE von der Bewegung lernen.

Kolja Möller ist im Bundesvorstand des Studierenden- verbandes Die Linke.SDS und Kreistags- abgeordneter im Main-Taunus-Kreis.

Kolja Möller: Es wäre doch für die LINKE erst mal geboten, bestimmte gesellschaftliche Veränderungen der letzten Jahre aufzuarbeiten: Ich denke da an die Veränderung der Klassenverhältnisse und an den Strukturwandel in der Politik. Das „Weiter so!“ hat einen unglaublich voluntaristischen Zug: Durch die Lautstärke allein, mit der wir unsere Positionen vortragen, ändern sich gesellschaftliche Hegemonien noch nicht. Man wird vielleicht den elektoralen Einfluss ausweiten und Ressourcen binden, bleibt aber im Ghetto und verändert nichts. Was wir brauchen ist ein grober Umriss davon, wie ein „Bruch nach vorne“ mit dem Neoliberalismus aussehen könnte.
Schließlich gilt es, die bestehenden Machtverhältnisse herauszufordern. Anknüpfungspunkte dafür gibt es: Die Diskussion um die Zusammenarbeit zwischen sogenannter sozialer und kultureller Linker und um gesellschaftsverändernde Strategien, auch im Umfeld von Michael Hardts und Toni Negris Multitudekonzept, gehören für mich dazu. Ebenso wie Vorschläge für eine linkskeynesianische Wirtschaftspolitik in der EU. Zudem spielen „weiche“ politische Techniken, zum Beispiel über Expertise, Problemproduktion, Kampagnenpolitik, kluger Umgang mit den Medien usw., eine immer größere Rolle. Insofern herrscht bei uns auch eine „strategische Ratlosigkeit“. Wie die neue linke Partei mit den gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungstendenzen überhaupt umgehen soll, ist grundsätzlich offen. Der erste Schritt wäre also Aufarbeitung und Veränderungsbereitschaft. Dabei fallen uns sicherlich einige Fragen ein.

Lena Kreck ist Juristin und befindet sich derzeit im Abschluss des Aufbaustudiengangs Medizin-Ethik-Recht an der MLU Halle.

Lena Kreck: Aber was heißt das eigentlich konkret? Die Fragen sind das eine, im Ergebnis kommt es ja wohl auf die Antworten an. Und dabei ist eine Schwierigkeit zu bewältigen, die sich jenseits der inhaltlichen Auseinandersetzung bewegt. Wenn man die Linke neubegründen möchte, dann muss das auch nachvollzogen werden. Wer die Diskussion vorantreibt, muss sich darüber im Klaren sein, dass sie nicht umfassend rezipiert wird — nicht innerhalb der LINKEN und schon gar nicht, nimmt man mal die akademische Szene aus, außerhalb von ihr.
Ich möchte deshalb die Diskussion um die Aufgabe der LINKEN zusätzlich auf den Plan rufen. Ich behaupte, die Aufgabe der neuen LINKEN ist es, ein wahrnehmbares Gegengewicht in einer gesellschaftlichen Stimmung zu sein, die vor Sachzwang, Schauervisionen und erhobenen Zeigefingern nur so trieft. Gegengewicht bedeutet dabei nicht, sich aufs Neinsagen zu beschränken, sondern beinhaltet ebenso einen gestalterischen Anspruch. Aber auch mir ist klar, dass die Gegengewichtsnummer nicht alles sein kann. Deshalb habt ihr natürlich Recht, wenn ihr bemängelt, dass die programmatische Entwicklung und die politische Strategie hinter unseren Ansprüchen zurück bleibt.

Norbert Schepers ist Politikwissen- schaftler, Vorsitzender der Rosa-Luxemburg- Stiftung Bremen und Sprecher des Stiftungsrates der RLS.

Norbert Schepers: Ich bin skeptisch, dass es möglich wäre, für die LINKEN DAS Programm und DIE Strategie zu entwickeln, hinter welchen sich alle versammeln können. Eine moderne politische Organisation zu sein heißt doch, Ambivalenzen auch in grundsätzlichen Fragen aushalten zu können. Aufgrund der politisch-kulturellen Unterschiede in der Mitgliedschaft und unter den verschiedenen Milieus der WählerInnen kann eine vereinheitlichende Beantwortung der Widersprüche nicht produktiv sein. In diesem Sinne sehe ich die offenen Fragen am Schluss der „Programmatischen Eckpunkte“ als wegweisend an.
Tatsächlich hat DIE LINKE im aktuellen Parteiensystem die Funktion einer Protestpartei: Da ist es in einigen Auseinandersetzungen richtig und ausreichend, erst mal „Nein“ zu sagen. Gleichzeitig ist auch klar: Das reicht auf Dauer nicht. Schon zwischen den Bundesländern gibt es erhebliche Unterschiede. Hier ist die Frage nach unserer Funktion jeweils regional durchzudeklinieren. Dafür braucht es aber nicht nur die konkreten Konzepte, sondern auch weitergehende Perspektiven. Sonst bleibt das Projekt vor lauter Alltagstauglichkeit mal wieder im Pragmatismus stecken. Wir brauchen strategische Projekte, die in der Lage sind, den kurzfristigen Protest und die langfristige Gesellschaftsveränderung in der politischen Praxis zusammen zu bringen. Das gilt auch für die Frage, was nach dem absehbaren Ende der Rolle als Protestpartei die historische Aufgabe der LINKEN ist.

Kolja Möller: Noch mal zu Lena: Wichtig scheint mir zu sein, genau diese beiden Punkte eben nicht gegeneinander auszuspielen: Hegemoniepolitik braucht natürlich Verankerung oder „Erdung“, aber sie braucht genauso die Diskussion um die Inhalte. Ich sehe die Aufgabe unseres Magazins übrigens genau an dieser Schnittstelle.

Lena Kreck: Kolja, mir ging es tatsächlich nicht darum, diese Punkte gegeneinander auszuspielen. Es war viel mehr der Fingerzeig auf die Schwierigkeit, auf der einen Seite die Partei fortzuentwickeln und auf der anderen Seite Menschen tatsächlich mitzunehmen und zu begeistern.

Katja Kipping: Meine Erfahrung im Bereich Hartz IV ist auch, dass diese beiden Ansprüche eben kein Widerspruch sein müssen. In der Zusammenarbeit mit Erwerbsloseninitiativen habe ich erlebt, dass diese sehr wohl kurzfristige Ziele mit der langfristigen Perspektive verbinden. Natürlich bedarf es des klaren Protestes à la „Hartz IV muss weg!“. Gerade dieser Kampf kann nur erfolgreich sein, wenn wir Strategien zur Zukunft sozialer Sicherung entwickeln, die über reine Abwehrkämpfe hinausgehen.
Genau hier ist die neue LINKE in der Bringschuld. Sie muss nun diskutieren, wie die neue soziale Idee aussehen soll. Ich werbe dabei für das Leitbild des demokratischen Sozialstaates. Dieses meint: Soziale Sicherung heute hat vor allem die Aufgabe, Teilhabe an Demokratie zu ermöglichen. Alle müssen sich die Fahrt zur Demo und die Tageszeitung leisten können — und das unabhängig vom Erwerbsstatus. Die Idee des demokratischen Sozialstaates gründet auf einer einfachen Erkenntnis: Die soziale Integration differenzierter Gesellschaften hat ihren Preis. Dieser ist hoch. Er ist aber notwendig, wenn wir die Demokratie mit Leben füllen wollen. Der demokratische Sozialstaat ist also Ausdruck und Garant der Zugehörigkeit aller Bürgerinnen und Bürger zur demokratischen Gesellschaft.

Jörg Schindler: Lena hat ja gefragt, was linke Politik heute konkret heißt, und Katja hat mit dem demokratischen Sozialstaat geantwortet. Ich möchte hinzufügen: Ein linkes Programm muss gegenüber dem Marktradikalismus attraktiv und überlegen wirken. Auch vor 10 Jahren hat die PDS ungefähr dasselbe erzählt, was die LINKE heute sozialpolitisch vertritt. Nur wollte das damals — im Überschwang der neuen Freiheit, seines eigenen Glückes Schmied zu sein — niemand hören. Heute ist das anders. Deshalb, mit Clinton: „It’s the economy, stupid!“: Wir brauchen einen demokratischen Sozialstaat, wir brauchen aber auch ein Bild, wie das Soziale attraktiv produziert wird, also einen demokratischen Produktionsstaat.
Ansätze einer solchen Wirtschaftsdemokratie könnten etwa regionale Wirtschaftsräte mit Kompetenzen und öffentlichen Geldern sein. Dort fände wirtschaftliche Rahmenplanung statt. Dort könnten Strukturentwicklungsideen für Unternehmen, gerade für solche in der Hand von Gemeinde, Kreis oder Land, entwickelt und Gelder zur Verfügung gestellt werden. VertreterInnen der Belegschaften würden sich in diesen Räten bei bestimmten Innovationen und Investitionen absprechen. Also Kooperation statt Konkurrenz.

Katja Kipping: Du sprichst mir aus dem Herzen: Linke Wirtschaftspolitik kommt nicht an der Eigentumsfrage vorbei. Nur dass die Antwort darauf nicht kalte Enteignung und Verstaatlichung heißen sollte. Vielmehr brauchen wir einen Prozess gesellschaftlicher Aneignung der Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel. Deine Vorschläge, Jörg, würde ich als mögliche Schritte in diesem Prozess betrachten. Neben diesen Formen der Wirtschaftsdemokratie gehört für mich auch die Förderung der verschiedenen Formen „Solidarischer Ökonomie“, wie Genossenschaften oder Kommunen sowie die Re-Kommunalisierung der öffentlichen Daseinsvorsorge dazu. Im Fall der Stromnetze kann auch eine Verstaatlichung Sinn machen.

Jörg Schindler: Wichtig ist mir noch: Wir brauchen konkret nachvollziehbare und verlockende Vorschläge. Bisher hat linke Politik mir zuviel mit Verzicht und Gutmenschentum, dagegen noch zuwenig mit Attraktivität im Alltag ohne Verrenkungen zu tun.

Kolja Möller: Ob das Ding attraktiver wird, wenn man es Produktionsstaat nennt, weiß ich nicht. In jedem Fall sollte man die Zusammenhänge zwischen den Politikfeldern besser herausarbeiten: Eine egalitäre Verteilungspolitik reicht nicht aus, es muss demokratisch produziert werden. Ähnliches gilt übrigens auch in der Grundrechts- und Demokratiepolitik: Die Linke muss die Gefahr des autoritären Sicherheitsstaat stärker zum Thema machen und sich für einen Ausbau der Grund- und Freiheitsrechte einsetzen. Und sie täte gut daran, das ganze formelhafte Orakeln über Höher- oder Nachrangigkeiten von politischen und sozialen Rechten schnell einzustellen. Die neue Linke ist für Selbstbestimmung und Freiheit oder sie ist nicht links. Im Übrigen tauchen soziale und politische Rechte in der Realität, wenn überhaupt, dann eher im Doppelpack auf. Zusammenhänge herstellen gilt auch hier: Dort wo es bessere politische Mitbestimmungsmöglichkeiten und mehr Freiheitsrechte gibt, steht es auch um die sozialen Rechte besser — der skandinavische Wohlfahrtsstaat lässt grüßen.

Norbert Schepers: Noch mal zu Jörg: Ich bin mir nicht so sicher, ob Attraktivität allein über den Beweis einer Alltagstauglichkeit unserer Konzepte zu erreichen ist. Ein anderer Faktor ist die kulturelle Pluralität. Das mag sich für manche wie postmoderne Beliebigkeit anhören, es geht dabei allerdings um etwas Wesentliches: Ich habe zuvor gesagt, dass wir die Funktion einer Protestpartei haben. Tatsächlich werden in der LINKEN auch die Menschen aktiv, die durch die rot-grünen „Reformen“ verloren haben. Wenn wir uns aber unsere Wahlergebnisse im Westen anschauen, sehen wir, dass wir auch dort überdurchschnittlich gewählt werden, wo nicht vorrangig die so genannten „ProtestwählerInnen“ vermutet werden: in innerstädtischen Wohnvierteln mit hoher formaler Bildung. Dort sind nun gerade auch die Milieus, die zugleich hohen Wert auf individuelle Freiheiten und demokratische Beteiligung ebenso wie auf eine solidarische Gesellschaft legen. Die Attraktivität einer linken Partei wird von ihrer Fähigkeit abhängen, Projekte zu entwickeln, die den ausdifferenzierten Lebenswirklichkeiten und den sehr unterschiedlichen Milieus gerecht werden.

Lena Kreck: Also fassen wir zusammen. Erstens: Es braucht den Willen neben dem politischen Alltagsgeschäft innezuhalten, um Perspektiven, Programmatik, Strategien linker Politik zu diskutieren und zu entwickeln. Für die inhaltliche NeuBegründung schlagen wir zweitens unter anderem das Leitbild des demokratischen Sozialstaats und die Demokratisierung der Wirtschaft vor. Wir sollten uns zudem nicht auf die Debatte über ein mögliches Rangverhältnis zwischen politischen und sozialen Rechten einlassen. Drittens: Am Reißbrett ist noch keine attraktive Partei entstanden. Nur anknüpfend an den ausdifferenzierten Lebensrealitäten kann sich eine lebhafte, plurale Partei herausbilden.

  • Mögen

  • Versenden
  • Ausdrucken

Artikel versenden

Absender

Empfänger

Nutzungsbedingungen*

Ich verpflichte mich zur wahrheitsgemäßen Angabe meiner Daten. Ich weiß sicher, dass der/die Empfänger/in mit dem Empfang der E-Mail einverstanden ist. Ich übernehme die Verantwortung, wenn dies nicht der Fall ist. Zur Entlastung des Websitebetreibers gestatte ich, dass Datum, Uhrzeit, beide E-Mail-Adressen und meine IP-Adresse gespeichert werden. Nicht gespeichert wird die Nachricht an den Empfänger.

Schließen
Artikel aus der Ausgabe Mai 2008
Prager Frühling Mai 2008

Kommentar abgeben

Stadion, Serien, Sozialismus

Welche Serien sehen Linke, und warum? Warum gehört Beckenbauer aus dem DFB geschmissen und was machen Feine Sahne Fischfilet in Paris? Was haben Soccer und Sozialismus miteinander zu tun und welche Musik würde der klassische Pianist Igor Levit gern bei einer Demo hören? Diese Fragen beantwortet die neue Ausgabe des Magazins für Freiheit und Sozialismus.

Verteidigung des Unabgegoltenen

Die Gegenwart ist reich an Mythen: Die Linke interessiere sich nicht mehr für die Arbeiterklasse und der globale Aufbruch von `68 sei ein Aufstand der ohnehin Privilegierten. Dieser grassierenden Geschichtslosigkeit entgegen rekonstruieren wir das Unabgegoltene des Aufstands im Mai `68 und fragen nach den Folgen der Niederschlagung des Prager Frühling für die Linke in Ost- und Westeuropa ...

Klasse mit Gedöns!

Die politische Linke habe sich die letzten Jahrzehnte zu viel mit Gedöns und zu wenig mit Klassenpolitik beschäftigt, so ist im politischen Feuilleton derzeit häufiger zu lesen. Nur: Stimmt das überhaupt? Und was hieße Klassenpolitik auf der Höhe der Zeit?

Tod der alten Dame?

Ob PASOK in Griechenland oder die Parti Socialiste in Frankreich, in vielen Ländern sind die Sozialdemokraten zu Kleinstparteien geworden. Auch hierzulande geht’s der SPD alles andere als gut. Was bedeutet die Schwäche der SPD für die Linke? Was für eine sozialistische Europapolitik? Eine Ausgabe über Glanz und Elend der realexistierenden Sozialdemokratie.

Versteckte Gemeinsamkeit

Sie hassen und sie brauchen sich. Die völkische Rechte nutzt islamistischen Terror und neo-salafistische Ideologie zur Selbstermächtigung und zur geistigen Aufrüstung beim Kampf um die Straße. Unsere Autor*innen gehen der Frage nach, woher sich diese „autoritären Revolten” speisen, wie ihnen zu begegnen ist und welche Rolle eine emanzipatorische Linke dabei spielen sollte.

Bevor die nächste Blase platzt

In EU und Euroraum erleben wir wie der neoliberale, finanzgetriebene Kapitalismus einfach so weitermacht wie bisher. Was eine linke Antwort ist, kann als umstritten gelten: Rückzug in den nationalstaatlich organisierten Kapitalismus oder eine solidarische und demokratisierte Wirtschaftsordnung in Europa?

Wer ist das Volk?

Populismus als Kommunikationsform und Strategie

Wer ist das Volk in „Wir sind das Volk“? — Wir haben uns in Europa und den Amerikas auf die Suche nach dem Volk der rechten Wutbürger und dem Volk des Linkspopulismus begeben. Gefunden haben unsere AutorInnen populistische Elemente in der repräsentativen Demokratie und einen radikaldemokratische Impetus des Linkspopulismus. In den Beiträgen werden Fragen nach der (Un)Möglichkeit des Pluralismus innerhalb linkspopulistischer Strategien und nach der Realpolitik des Populismus an der Macht gestellt.

Angst essen Seele auf

Terror, Gewalt, Kriminalität — SicherheitspolitikerInnen behaupten darauf eine Antwort zu haben. Aber was war eigentlich noch mal die Frage? Unsere AutorInnen haben versucht herauszufinden, was das eigentlich ist: Sicherheit. Sie haben sich an Antworten darauf versucht, ob es eine linke und emanzipatorische Sicherheitspolitik geben kann und worin diese eigentlich bestehen sollte.

This is a movement

Die Neuaushandlung von Bewegungsfreiheit und Grenzregimen

Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen. … oder höchstens eine ganz kleine vielleicht oder einen Zaun aus Natodraht. Die selektive Abschottung des „Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts“ nach außen ist in seiner bisherigen Form gescheitert. Unsere AutorInnen intervenieren in diese Neuaushandlung zentraler Fragen von Nationalstaatlichkeit, globalen Rechten und Demokratie ...

Krieg und Frieden

Weltinnenpolitik und die Zukunft ziviler Konfliktbearbeitung

Putinversteherin und Faschistenfreund – in Diskussionen über den Umgang mit bewaffneten Konflikten, wird schnell auch rhetorisch scharf geschossen. In seiner neuen Ausgabe fragt prager frühling wie eigentlich linke Weltinnenpolitik geht und wie eine Neuerfindung des politischen Pazifismus ins Werk zu setzen wäre.

So nicht!

Demokratie als Praxis

Griechenland hat die Austeritätspolitik abgewählt - durchgesetzt hat dies eine linke soziale Bewegung auf den Straßen und Plätzen. Ohne die enge Verzahnung mit Syriza als parlamentarischer Verlängerung wäre dies nicht möglich gewesen. In Dresden hingegen marschiert mit Pegida eine neue APO von rechts und mit der AfD rückt eine neue Rechtspartei in die Parlamente ein. Genügend Gründe also sich mit den Formatierungen parlamentarischer Demokratie zu beschäftigen. Spielräume für emanzipatorische Kämpfe zu ergründen und Beschränkungen einer Politik im Zählverein zu analysieren.

No Future?!

Not this Future!

Elendig lange scheint es her, dass Francis Fukuyama en passant mit dem Ende der Geschichte auch das Ende des Zukunftsdenkens ausgerufen hat. Elendig ist das gegenwärtige Zukunftsdenken auch nach dem Ende dieses „Endes der Geschichte“. In Politik, Wissenschaft und Literatur ist der Bedeutungshorizont von Zukunft auf die Begrifflichkeiten der Versicherungsmathematik zusammengeschrumpft. Der Versuch einer Rettung

Common Sense?!

Von Sinn und Eigensinn der Commons

Emanzipatorische Alternative jenseits von Markt und Staat oder nur Lückenbüßer für vormals staatlich organisierte Aufgaben? Unsere Autor*innen haben sich auf die Suche nach heutigen Commons gemacht. Im ersten Teil der Ausgabe haben sie die Kontaktzonen zum Markt, Staat und Care-Ökonomien besichtigt und theoretisch vermessen. Im zweiten Teil der Ausgabe haben sie Gemeinschaftsgärten durchstreift sowie an „Energietischen“ gesessen, um Kämpfe um Commons zu dokumentieren.

Feiern, wie sie fallen?!?

Über das Verhältnis von Opponieren, Regieren und Protestieren

Die heilige Dreifaltigkeit der Linken ist die Trinität aus Protestieren, Opponieren, Mitregieren. Bei der Frage, in welcher Beziehung die drei stehen, gerät die Gemeinde oft ins Stammeln und die politischen Theologen antworten mit dürren Dogmen. Unsere AutorInnen haben zunächst gefragt, wo er ist, der ominöse Ort der Macht und sind ihm dann mit steilen Thesen auf den Leib gerückt.

Wo Strom ist, ist Widerstand

Digitaler Protest und elektronische Demokratie

Unsere AutorInnen fragen sich, ob die Schwarmintelligenz den Cybersexismus überwinden kann und wo genau die Grenzen des digitalen Medienbaukastens verlaufen. Kai van Eikels analysiert die Ideologie des „Nerds“ und Mathias Schindler erklärt, wie es mit Wikipedia weitergeht. In den Feminismen gibt Dr. Lady Bitch Ray dem Feminismus der ersten Welle einen fetten Zungenkuss, während Stefan Gerbing in der ersten Hurenzeitung der Weimarer Republik geblättert hat.

Burn-out den Verhältnissen

… oder die Revolution kommt immer zu spät

Nein, ihr habt’s wieder falsch verstanden! Entschleunigung heißt nicht Breitbandrossel, liebe Telekom. Und Du, Frankfurter Polizei: Die Entdeckung der Langsamkeit meint nicht, zehn Stunden Zwangsentschleunigung im Kessel. In der Stress-Ausgabe prager frühling geht’s, darum wie man es richtig macht.

Essen und gegessen werden

Erst so ein Fressen und dann auch noch Moral!

Der Realsozialismus ist auch auf der Speisekarte gescheitert: Als Diktatur des schlechten Geschmacks. Die Verhältnisse an kapitalistischen Tafel sind nicht weniger ungenießbar. Tausch von ökonomischem und sozialem Kapital geht vor. Wenn Renate Künast eine Flasche fairen Bio-Orangensaft kauft, geht locker das Tagesbudget eines Hartz-IV beziehenden Kindes über die Theke ...

Battlen statt Betteln.

prager frühling entwickelt die neue soziale Idee!

Die neue Ausgabe des prager frühling erscheint am 26.10.2012 und kann hier bestellt werden.Im Schwerpunkt geht es diesmal um die „Neue soziale Idee“ und damit die Frage nach emanzipatorischen Potentialen, aber auch den Grenzen einer linken Sozialpolitik.

Autoritäres Krisenregime

Deutsche Euros rollen wieder …

Und in Berlin singen die Ultras von der FDP gemeinsam mit den Polithools vom rechten Rand: „Protektorat statt Europarat!“ Wird in Griechenland bald mehr als nur Deutsch gesprochen? Unsere AutorInnen stellen sich dem Einmarsch entgegen. Lucas Oberndorfer analysiert den autoritären Wettbewerbsetatismus als Krisenbearbeitungsstrategie ...

Sex! Sex! Sex!

Über die schönsten Nebenwidersprüche der Welt

Von wegen „schönste Nebensache“ der Welt. Sex ist diesmal der Schwerpunkt unseres Heftes. Während uns die Starsoziologin Eva Illouz über den Zusammenhang von Kapitalismus und Partnerwahl aufklärt, analysiert Kathy Meßmer Intimchirurgie als widersprüchliche Praxis. Außerdem im Schwerpunkt: ...

Affentanz um Nahost

Nichts sehen, nichts hören, laut brüllen — geht die Linke über den Jordan?

Ach diese Linken! Sie wissen genau, wie es Frieden zwischen Ramallah und Tel Aviv geben kann und sie brüllen es heraus – in Düsseldorf und Frankfurt. Während die Einen schreien: „Straßenschlacht in Ramallah, die Panzer sind die Antifa“, brüllen die Anderen: „Intifada bis zum Sieg ...

Reinheitsverbot

Parallel sind immer die Anderen!

prager frühling stößt an: ein Prosit den Parallelgesellschaften! Schon klar, Integration fordert immer die Anderen. Deshalben sagen wir: "Erst wenn Efes sich ins deutsche Biersortiment eingegliedert hat und ein Hefeweizen anbietet, werdet ihr merken, dass man so etwas nicht trinken kann." Wie aber geht sozialistischer Antirassismus? Etienne Balibar, Nichi Vendola und viele andere versuchen sich in Antworten ...

Im Zweifel Dagegen!

Schwerpunktheft Dissidenz und ziviler Ungehorsam

Dissidenz und ziviler Ungehorsam sind die Hefe linker Politik. Kann Sie auch Schmiermittel des Kapitalismus sein? Wo schlägt Subversion in unpolitischen Abweichungsfetisch um? Unsere Autor_innen schauen nach, diskutieren und polemisieren.

com.munismus. komm!

Auf dem Weg zum Wissenskommunismus

Ist geistiges Eigentum Diebstahl? Stellen Raubkopien das Ergebnis von Aneignung oder eine besonders perfide Ausbeutung des Kreativproletariats dar? Darüber diskutieren in unserem Heft u.a. Michael Hardt, Cornelia Koppetsch, Sabine Nuss und Stefan Meretz. Digital Natives diskutieren die Implikationen der Digitalisierung von Demokratie ...

Crossover

Gegenmacht oder gegen Macht?

„Crossover“ ist der Versuch, eine Diskussion über politische Kooperation von sozialistischen, grünen und sozialdemokratischen Positionen in Gang zu setzen, deren Ergebnis hegemoniefähige progressive Reformprojekte werden sollen. So nahe liegend dies angesichts des Niedergangs der neoliberalen Ära ist, so blockiert ist diese Perspektive dennoch ...

Klimawandel und Gesellschaftsveränderung

System change not climate change!

Den politischen Gemütszustand unserer Welt beschreibt nichts besser als der alte Kalauer: „Öko? Logisch.“ Niemand schmunzelt mehr drüber, aber alle nehmen den Schenkelklopfer für sich in Anspruch. Dass alles irgendwie auch „öko“ sein müsse, also die Sache mit der Umwelt halt ein Problem sei, ist – logisch – Allgemeinplatz geworden ...

Die Linke und die Nation.

Hattu Nation, muttu entgrenzen

Die Linke und die Nation ist der Schwerpunkt der fünften Ausgabe des prager frühlings. Außerdem beschäftigen wir uns unter dem Motto "balkan beats" mit der Linken in Post-Jugoslawien. Mit dabei sind Thomas Seibert, Julia Bonk, Klaus Höpcke, Michel Albert, Christin Löchner, Lothar Bisky, Ringo Bischoff, Katja Kipping, Andreas Fischer-Lescano und die Band Ego-Tronic ...

Her mit dem schönen Leben!

Infrastruktursozialismus statt Hartz IV

Original sanktionsfrei: Weg mit Hartz IV! Her mit dem schönen Leben! Neben vielen investigativen und weniger investigativen Beiträgen zum Hartz IV-Regime, wollen wir Euch in dieser Ausgabe auch unseren Vorschlag vorstellen, dem Hartz IV-Regime die Forderung nach einem Infrastruktursozialismus entgegen zu setzen ...

Democracy against the machine

Radikaldemokratie statt FdGO

Februar 2009 erschien die dritte Ausgabe des prager frühling. Das Schwerpunktthema ist "Demokratie und Herrschaft" mit Beiträgen und Artikeln von Chantal Mouffe (University of Westminster, London), Jürgen Peters (IG Metall), Colin Crouch, Franziska Drohsel (Juso-Vorsitzende), die Gruppe Soziale Kämpfe, Sonja Buckel (Universität Frankfurt) und viele andere mehr ...

Auf der Suche nach der Ästhetik des Widerstandes

Alles Politur? Zum Verhältnis von Politik und Kultur

Mitte Oktober 2008 kam die zweite Ausgabe von prager frühling, dem neuem Magazin für Freiheit und Sozialismus. Das nächste Heft widmet sich schwerpunktmäßig dem Verhältnis von Politik und Kultur. Ziel der Redaktion ist es, politisches Engagement und Kultur einander näher zu bringen. Dabei geht es nicht um eine Kolonisierung des einen Bereichs durch den anderen ...

Neue Linke: Alles beim Alten?

NeuBegründung als Bruch nach vorn

Der Schwerpunkt der ersten Ausgabe des Magazins prager frühling heißt "Refound: NeuBegründung". Unsere Autorinnen erklären was der "Bruch nach vorn" ist. Mit dabei Frigga Haug, Thomas Seibert, Hans Jürgen Urban, Daniela Dahn und Michel Friedmann.

Sprungmarken: Zum Seitenanfang, Zur Navigation, Zum Inhalt.